Das Marktforschungsinstitut Marketmedia24 hat einen neuen Branchenreport veröffentlicht. Darin wird die Entwicklung der Schuhbranche bis 2025 analysiert. schuhkurier sprach mit den Autoren.
31.03.2017
Helge Neumann
4 Minuten
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Sie haben verschiedene Szenarien zur Entwicklung des Marktvolumens bis 2025 entwickelt. Wie sehen diese Szenarien im Detail aus? Welche Umsätze mit Schuhen getätigt werden und von wem, ergibt sich aus dem Zusammenspiel des Verhaltens von Anbietern und Konsumenten. Den als Hersteller oder Händler aktiven Anbietern mit ihren Kollektionen und Produkten mit unterschiedlichen Funktionen, Qualitäten und Preisen stehen auf der Nachfrageseite unterschiedliche Konsumentinnen und Konsumenten mit ihren individuellen Kaufgründen, Kaufwünschen und Kaufmöglichkeiten gegenüber. Diese angebots- und nachfrageseitigen Marktfaktoren werden wiederum geprägt von übergeordneten Einflüssen. Dazu gehören insbesondere demografische und wirtschaftliche Entwicklungen. Je mehr und je genauer Informationen über die zukünftigen Entwicklungen in diesen Einflussbereichen erkennbar sind, desto besser lassen sich auch die möglichen Auswirkungen auf den Schuhmarkt abschätzen. Ist die Gegenwart für die Schuhbranche schon heute stürmisch, zeichnet unser Marktszenario bis 2025 ein durchaus sportliches Marktumfeld. So werden knapp über 1,3 Mrd. Euro fehlen, vergleicht man das unter pessimistischen Vorzeichen errechnete Marktvolumen für Schuhe im Jahr 2025 mit dem Ergebnis der optimistischen Variante. Auch bei den Perspektiven für die Vertriebswege öffnet sich die Schere ähnlich weit: Wenn zum Beispiel das Fahrwasser für den Schuhfachhandel ähnlich rau bleibt wie 2015/2016, wird dessen Marktanteil von heute 52% auf nur noch 41% sinken. Wo sehen Sie unter den Vertriebswegen Gewinner und Verlierer? Der Auftritt des Internetwettbewerbs stellte eine bis dahin kaum erlebte dramatische Veränderung dar. Insbesondere, weil sich die ’Abwanderung‘ ins Internet im Wesentlichen in den Jahren 2010 bis 2012 vollzog. In dieser Zeit stürzten die Schuhumsätze in Geschäften des Schuh-Facheinzelhandels um 13,9% ab. Aber nicht nur der Fachhandel, auch die anderen stationären Vertriebswege gaben an die ’neuen‘ Wettbewerber ab. Insofern ist die Frage nach den Gewinnern und Verlierern eindeutig, denn eine Trendumkehr hat sich nicht vollzogen. Allerdings schwächt sich zum einen die Wachstumsdynamik im Internet generell ab, zum anderen holt sich auch der stationäre Fachhandel seinen Anteil an diesem Geschäftsmodell. Welche Konsequenzen hat diese Entwicklung für die Hersteller? Innovation ist ein wichtiges Stichwort für die Zukunftsstrategien. Dazu gehört digitales Know-how entlang der Wertschöpfungskette ebenso wie die Zauberformel Industrie 4.0. An beiden Stellschrauben wird in der Schuhbranche gedreht. Die Kundenversteher unter den Lieferanten ermöglichen zum Beispiel individualisierte Produktgestaltung. Denn auch in der Schuhbranche öffnet sich die Industrie in ihrer vierten Revolution dem Individuum. Vor allem aber geht es um die Zusammenarbeit von Handel und Industrie, sprich in erster Linie um beschleunigten Datenaustausch, um schnellere Prozesse zum beiderseitigen Wohl. Darüber hinaus werden sich die Hersteller auf den Umbruch in der Vertriebslandschaft mit kanalspezifischen Strategien zum Beispiel für Online-Plattformen oder den Bekleidungshandel einstellen. Ist ein Ende des Online-Booms abzusehen? Online ist keine Erscheinung, auf deren Ende man warten darf. Zwar schwächt sich die Dynamik des Distanzhandels in der Schuhbranche seit 2012 ab, dennoch wächst das Geschäft im Internet weiter. Wie gesagt auch, weil immer mehr Anbieter auf dieses Geschäftsmodell setzen. Nicht ausgemacht ist allerdings, ob der stationäre Schuhkauf nicht einen neuen Stellenwert erlangen kann, indem er die Digitalisierung auf der Fläche koppelt mit dem realen, haptischen und emotionalen Erlebnis, mit neuen modischen und kundenorientierten Konzepten sowie mit fachlicher und Styling-Beratung. Weil das durchaus wahrscheinlich sein kann, rechnet ein Szenario unseres neuen Branchenreports auch diese Annahme durch. Was kann der Fachhandel tun? Wirklich revolutionär klingt die Antwort auf diese Frage nicht. Denn es bleibt dabei: An Kundenorientierung, Differenzierung und Profilierung geht auch in Zukunft kein Weg vorbei – übrigens auch im Internet nicht. Das heißt zum Beispiel fokussierte Sortimente, emotionale, flexible Flächen und Konzepte, die mehr als Bedarf decken und mit Preisen argumentieren. Hinzugekommen ist – auch vor dem Hintergrund sinkender Frequenzen – das Internetgeschäft, das zumindest als Kommunikationsmittel und zur Kundenbindung Pflicht geworden ist. Hinzukommen wird unter dem Stichwort Omnichannel außerdem die Digitalisierung der Geschäfte, die auch das Datenmanagement beinhaltet. Gab es eine Erkenntnis aus der Studie, das Sie überrascht hat?
Wir haben Einblick in viele Branchen und damit auch schon über manche Marktentwicklung vor allem aber über manche Markterweckungen gestaunt. Vor allem dann, wenn eingeübte und funktionierende Strukturen und Konzepte – oft von anderen als den langjährigen Markttreibern – neu gedacht und gemacht werden. Ikea war ein solcher Fall in der Möbelbranche. Natürlich machte das Internet viele Fenster auf, und die Schuhbranche traf dieser frische Wind mit voller Wucht. Zu den Überraschungen aber zählt auch, was auf der Fläche passiert. Die Verknüpfung mit der Bekleidung zum Beispiel oder die spitz aufgestellten Sneaker-Spezialisten oder pointierte Zielgruppen-Konzepte, das finden wir genauso spannend. Und man fragt sich – wie oft in solchen Fällen – warum gibt es solche Ideen nicht schon längst!
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