Es bleibt ein Phänomen: Zalando meldet für das erste Quartal 2018 einen Verlust in Millionenhöhe – und was machen die Experten an der Börse? Zucken nur kurz mit den Schultern und greifen dann weiter zu den Aktien des Berliner Onlineunternehmens.
Am Tag der Vorstellung der Quartalsbilanz stand Zalando nachmittags ganz oben in der Gewinnerliste des MDAX. Dividende? Nicht in Sicht. Gewinne? Spielen keine Rolle. Bei Zalando zählt nur eines: Wachstum. Und zwar möglichst viel, möglichst schnell. Koste es, was es wolle. Bei konventionell aufgestellten Unternehmen würde ein ähnlicher Kurs für das Management Harakiri bedeuten. Es würden Köpfe rollen. Nicht so bei Zalando. „Wachstum ist unsere oberste Priorität“, erklärte Rubin Ritter im Rahmen der Vorstellung der Quartalsergebnisse.
Der Finanzvorstand von Zalando kann diesen Satz wohl auch im Schlaf wiederholen. Dagegen dürfte das Wort ’Profit‘ in seinem Wortschatz nur sehr selten vorkommen. Auch knapp zehn Jahre nach der Gründung ist Zalando eine reine Wachstumsstory – und es gibt auch keine Alternative zu diesem Kurs. Es kommt eben doch auf die Größe an. Experten sagen seit Jahren voraus, dass Kernbereiche der digitalen Wirtschaft zur Monopolisierung tendieren. Das gilt natürlich auch für den Onlinehandel. Je höher die Anzahl der aktiven Kunden, je größer der Datenschatz, desto größer ist auch das Umsatzpotenzial. Aktuell zählt Zalando rund 24 Mio. Kunden in Europa. 350 Mio. Euro will das Unternehmen in diesem Jahr investieren, um diese Zahl weiter zu steigern. Durch mehr Service, schnellere Belieferung, mehr Personal und mehr Marketing.
Und doch bleiben bei Beobachtern Zweifel, ob dies ausreicht, um sich langfristig gegen die Konkurrenz zu rüsten. Insbesondere der Online-Gigant Amazon macht weiter Druck. „Wir haben das Ziel, bei den Kunden zur am meisten geliebten Adresse für Modekäufe zu werden“, verkündete Susan Saideman, Amazons Modebeauftragte für Europa, kürzlich. In den USA ist das Unternehmen aus Seattle bereits so weit. Dort wird Amazon 2018 zum größten Modehändler des Landes aufsteigen. Experten schätzen, dass Amazon in den kommenden fünf Jahren den Marktanteil von 6% auf 15% steigern wird. Den Analysten an der Börse scheint dieses Szenario mit Blick auf Zalando jedoch bislang keine Sorgen zu bereiten. Anders sieht das der New Yorker Universitätsprofessor und frühere Unternehmer Scott Galloway. Er sagt: „Zalando macht einen tollen Job – aber Amazon wird ihnen schaden.“ Insbesondere Amazons Expansion im Logistikbereich sei eine Art zweiter ’D-Day‘ für Europa. Seine radikale Forderung: Amazon zerschlagen.