Wie bewerten Hersteller den Arbeitsschuhmarkt?
Lieferantenumfrage
- 12.06.2024
- Petra Steinke
- 2 Minuten
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Headerfoto: Foto: Haix
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Foto: Dockers Safety
Soviel steht fest: Das Segment der Sicherheitsschuhe wächst – in erster Linie, weil Regierungen und Unternehmen immer mehr Wert auf die Sicherheit und Gesundheit der Arbeitnehmer legen. „Dies hat zu strengeren Vorschriften und Richtlinien für persönliche Schutzausrüstungen, einschließlich Sicherheitsschuhen, geführt“, berichtet Steve Tummeleer (Dockers Safety). Dies wiederum habe zur Folge, dass auch außerhalb des Arbeitsplatzes das Bewusstsein für die mit der Arbeit verbundenen Risiken wächst und zunehmend Sicherheitsschuhe nachgefragt werden, die vor bestimmten Gefahrenquellen wie herabfallenden oder scharfen Gegenständen, Chemikalien und elektrischen Gefahren schützen. Auch der Sicherheitsschuhhersteller Haix beobachtet eine positive Entwicklung: „Betriebe investieren in die Ausstattung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um diese zu halten. Das Bewusstsein darum, wie sich passendes Schuhwerk auf die Arbeitsleistung und Gesunderhaltung der Mitarbeitenden auswirkt, steigt“, sagt Christian Landegger, Leitung Verkauf DACH. Uvex erwartet ebenfalls eine steigende Nachfrage: „Wir haben in unserem Werk in Ceva/Italien erst kürzlich eine weitere vollautomatische Produktionslinie eröffnet. Alleine das ist Beleg dafür, dass wir noch große Potenziale insbesondere auch bei kleinen und mittelständischen Betrieben im Handwerk sehen. Aber auch in der Industrie (Stichwort Elektromobilität) gibt es neue Betätigungsfelder“, erläutert Thomas Janker, International Key Account Manager bei dem Unternehmen.
Das Unternehmen ISM produziert Sicherheitsschuhe unter der Marke Albatros. (Foto: ISM)
Steigender Bedarf, das kann auch eine Chance für den Schuhfachhandel sein. Etliche Unternehmen befassen sich inzwischen mit dem Segment der Sicherheitsschuhe (s. Händlerumfrage ab Seite 36). Auch einige Lieferanten bemerken hier ein wachsendes Interesse: „Dass es bereits Nachbestellungen aus dem Handel gibt, ist aus meiner Sicht ein Indikator, dass Sicherheitsschuhe für den klassischen Schuhhandel eine Produktgruppe darstellen, die zur Umsatzsicherung und Kundenbindung beitragen können“, sagt Joachim Flemming (Safety Jogger): „Endverbraucher, die ein Schuhgeschäft betreten, sind ja grundsätzlich mal kaufbereit.“ Dockers Safety hat einige Schuhlinien spezifisch für den klassischen Schuhhandel als Vertriebsweg entwickelt. Generell nehme der modische Aspekt auch bei Sicherheitsschuhen zu. Auch Komfort und Ergonomie erfahren laut Steve Tummeleer steigendes Interesse, ebenso wie der Aspekt der Nachhaltigkeit Die Zunahme von hybriden Arbeitsplätzen, bei denen Menschen sowohl im Büro als auch in handwerklichen Bereichen tätig sind, sorge ebenfalls für eine steigende Nachfrage. Und nicht zuletzt liege Do-it-yourself immer mehr im Trend. Dies führt laut Tummeleer dazu, dass Sicherheitsschuhe auch im stationären Schuhhandel eine Chance haben, „wo Funktionalität, Mode und Komfort Hand in Hand gehen.“ Dabei spielt auch die Nähe, die Händler zu ihren Kunden haben, eine Rolle: „Grundsätzlich legen wir bei unseren Partnern besonderen Wert auf gute Beratung und Fachkompetenz, damit Begeisterung bei den Kundinnen und Kunden entfacht und der Mehrwert transportiert wird“, erklärt Christian Landegger (Haix). Uvex arbeitet im Schuhhandel nur über Einkaufsverbände. „Bei den Händlern sollte eine proaktive Herangehensweise grundsätzlich vorhanden sein. Auch müssen Berührungsängste der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit dem Thema Arbeitsschutz abgebaut werden“, erläutert Thomas Janker. Die Branche unterliege stetigen Wandel. „Insbesondere die Vertriebskanäle haben sich in ihrer Wichtigkeit in den letzten Jahren etwas verschoben. Der Retail erlebt hier gerade eine Renaissance. Bei einem sensiblen Thema wie Sicherheit am Arbeitsplatz ist der persönliche Kontakt und eine Anprobe unerlässlich.“ Beim Sicherheitsschuhhersteller ISM sieht man das ähnlich: „Das merken wir durch die zunehmenden Anfragen seitens des Handels“, erläutert Vertriebsleiter Christian Balzer. „Wir legen Wert auf eine qualitativ hochwertige Distribution und wollen sicherstellen, dass der Handel über entsprechendes Fachpersonal und Beratungskompetenzen verfügt.“
Hybride Arbeitsmodelle und Do-it-Yourself-Trends lassen die Nachfrage nach Arbeitsschuhen steigen. (Foto: Haix)
Innovationen spielen bei Sicherheitsschuhen eine wichtige Rolle. „Die Träger wollen nicht mehr nur den einfachen Berufsschuh. Komfort und Optik nehmen einen immer größer werdenden Stellenwert ein“, erläutert Christian Balzer. „Wir haben in den letzten Jahren sehr viele Design Awards für unsere Produkte von Puma Safety und Albatros erhalten und damit auch ein sehr positives Echo vom Kunden.“ Auch Thomas Janker (Uvex) bestätigt die Bedeutung von Weiterentwicklungen: „Als eher technisch getriebenes Segment ist der Innovationsgrad relativ hoch. Gerade Trends der Sportschuhbranche finden oftmals auch bei Sicherheitsschuhen Einzug. Energierückgewinnende Materialien sind hier nur ein Beispiel. Diverse Innovationspreise belegen, dass wir mit unserer Marke hier auch ganz vorne mit dabei sind.“ Haix bewertet technische Weiterentwicklungen ebenfalls als unverzichtbar: „Innovationen sind für uns sehr wichtig. So haben wir z. B. die Connexis Serie mit Reforce im Programm. Das sind Schuhe, die die Faszien stimulieren und damit leistungserhaltend wirken. Das Reforce-System gewährleistet einen ausbalancierten Gang. Das führt insgesamt zu mehr Leistungsfähigkeit des Trägers. Hier machen wir es ähnlich wie die Autoindustrie: Zuerst werden Innovationen in der „Toprange“ eingesetzt, später finden wir sie in vielen unserer Produkte“, erläutert Christian Landegger. Zudem höre man bei Neuentwicklungen auf die Bedürfnisse deKundinnen und Kunden und passe neue Modelle darauf an. Bei Dockers Safety werden laut Steve Tummeleer laufend neue Materialien erforscht, die zur Verbesserung der Haltbarkeit, des Schutzes und des Komforts von Berufsschuhen eingesetzt werden können: „Dazu gehören Materialien wie moderne Kunststoffe, spezielle Beschichtungen für die Wasserdichtigkeit, leichte Verbundstoffe für den Schutz und atmungsaktive Stoffe für den Komfort. Die Designer konzentrieren sich zunehmend auf Ergonomie und Benutzerfreundlichkeit und berücksichtigen dabei die Fußanatomie und das Gangbild des Trägers. Das Ergebnis sind Schuhe mit verbesserter Passform, Unterstützung und Stabilität” Joachim Flemming (Safety Jogger) sieht die Trigger für Innovationen im Unternehmen selbst: „Nachdem es sich bei Sicherheits- und Berufsschuhen um Produkte handelt, die zum Schutze des Menschen eingesetzt werden, liegt es in unserem Sendungsbewusstsein, permanent nach neuen – noch besseren – Lösungen zu suchen. Die PSA Branche unterliegt nicht unmittelbar saisonalen Produktveränderungen, sodass erfolgreiche Produkte sich über Jahre hinweg in den Kollektionen behaupten können”
Foto: Safety Jogger
Dockers Safety: Das Sortiment wurde für professionellen Einsatz in verschiedenen Branchen und Arbeitsumgebungen entwickelt. Diese Schuhe sind speziell auf die Sicherheitsstandards und -anforderungen von Bauarbeitern, Handwerkern, Lagerarbeitern und Industriearbeitern zugeschnitten. Darüber hinaus gibt es Modelle, die sich auch für Heimwerker eignen. Diese Schuhe bieten die gleichen Schutzeigenschaften und die gleiche Qualität wie die professionellen Modelle, können aber auch für leichtere Anwendungen und Tätigkeiten im privaten Bereich verwendet werden.
Haix: Das Unternehmen bietet Schuhe für eine vielfältige Bandbreite an Berufsgruppen: Mitarbeitende aus Handwerk, Industrie, Garten- und Landschaftsbau und anderen Spezialbereichen wie Industriekletterer oder Straßenbau finden Schuhe im Haix Sortiment. Darüber hinaus bietet der Hersteller eine Produktpalette an Schuhen und Stiefeln für Forstarbeiter, Pflegepersonal, Feuerwehreinsatzkräfte, Rettungsdienst, Polizei und Militär.
ISM: Der Hersteller beliefert Kunden im Handwerk, Lager/Logistik, Bau, Montage und Industrie und bietet darüber hinaus auch in den Freizeitbereich übergehende Berufsschuhe an.
Safety Jogger: Ziel der Kollektion sei es, für jeden Arbeitsplatz eine geeignete Schutzlösung anzubieten, sofern es sich nicht um sehr spezifische Nischenprodukte handelt (z.B. Stiefel für Gießereien), teilt das Unternehmen mit. Neben Sicherheitsschuhen in allen Schutzklassen biete man auch ein Sortiment an zertifizierten Berufsschuhen ohne Zehenschutzkappen, z.B. für Kranken- und Pflegedienste, Reinigungsdienste, Horeca und andere. Zudem führe Safety Jogger autoklavierbare OP-Clogs im Sortiment, die mit 135 Grad heißem Dampf sterilisiert werden können.
Uvex: „Wir sind als einer der führenden Hersteller Europas natürlich sehr breit aufgestellt“, erklärt das Unternehmen. Von industriellen Anwendungen über sämtliche Bereiche des Handwerks, aber auch Labor- und Praxisarbeitsplätze decke man alles ab – „und das in der Regel in Größengängen von 35 bis 52 und in bis zu vier Weiten. Das ist einzigartig in der Branche.“
Auch die Lizenzmarke Puma Safety wird von ISM produziert. (Foto: ISM)
Haix stellt seine Sicherheitsschuhe nach eigenen Angaben ausschließlich in Europa her und betreibt Produktionsanlagen in Deutschland, Kroatien und Serbien. „Hier sehen wir uns zwar mit steigenden Material- und Lohnkosten konfrontiert, allerdings kann Haix so Arbeitsbedingungen und Produktqualität genau kontrollieren, um höchste Standards durchzusetzen“, erläutert Christian Landegger. Made in Europe sei auch ein Bekenntnis zu fairen Arbeitsbedingungen und zu mehr Nachhaltigkeit. „Der Fachkräftemangel bedeutet zwar, dass weniger Füße mit passendem Schuhwerk ausgestattet werden müssen. Jedoch beobachten wir einen Trend hin zur Anerkennung von hochwertiger Ausstattung. Das stimmt uns optimistisch und die Erfahrung gibt uns Recht.“ Man plane mit weiterem Wachstum über alle Bereiche und Berufsgruppen. Bei ISM sieht man, dass der Markt der Sicherheitsschuhe moderner, sportlicher und innovativer wird. Und: „Der Bedarf wird nicht wachsen, aber eine Verdrängung wird stattfinden“, so Christian Balzer. Man stelle sich zudem gerne den Anforderungen der Kunden – auch im Hinblick auf Nachhaltigkeit, für die man die spezielle Green Heart-Linie entwickelt habe. Safety Jogger sieht Herausforderungen in der Vielfalt seiner Märkte: Das Unternehmen vertreibt seine Produkte weltweit, „derzeit sind wir in 143 Ländern der Erde vertreten“, schildert Joachim Flemming. „Unser Anspruch ist es, für unsere Produkte neben den europäischen und amerikanischen Standards auch alle nationalen Zertifizierungen der Länder sicherzustellen, in welchen Safety Jogger vertrieben wird.“ Zusätzlich zu den allgemeinen Herausforderungen der produzierenden Industrie nehme man zunehmend Einflüsse auf geopolitischer Ebene wahr. Und: „Dem zunehmenden Vertrieb von Fake-Sicherheitsschuhen und PSA-Produkten ohne Zertifizierung über soziale Medien müssen wir durch Aufklärung über damit verbundene Risiken entgegenwirken.”
Dockers Safety: Die Marke liefert ihre Sicherheitsschuhe sowohl an Schuhgeschäfte als auch an spezielle Fachhändler. Die Schuhe sind in verschiedenen Online-Shops und stationären Geschäften erhältlich. Etwa ein Drittel des Umsatzes werden über den Schuhhandel generiert. Die Marke hat ein umfangreiches Vertriebsnetz aufgebaut. Das Unternehmen bietet Beratung zu den Merkmalen der Schuhe und Materialien an.
Haix: Das Unternehmen beliefert auch den stationären Schuhhandel, der Anteil am Umsatz ist laut dem Unternehmen allerdings sehr gering. Das Unternehmen bietet regelmäßig Schulungen an.
ISM: Der Schuhhandel macht für das Unternehmen nur einen sehr geringen Anteil aus, da der Hersteller vorrangig den technischen Handel beliefert. ISM organisiert Produktschulungen über das Vertriebsteam und unterstützt den Handel durch Print- und Online-Informationen zu den Produkten, Ausstattungen und Techniken.
Safety Jogger: Hauptkunden von Safety Jogger sind technische Händler, die neben Handwerks- und Industriebedarf auch persönliche Schutzbekleidung vertreiben. Der stationäre Schuhhandel ist für das Unternehmen im Zuge der Projektarbeit mit SABU und dem ANWR interessant geworden. Um über Umsatzanteile zu sprechen, sei es noch zu früh, teilt das Unternehmen mit. Safety Jogger bietet neben Schulungen auch die Safety Jogger Academy, wo Fachwissen zu verschiedensten Themen im Rahmen von Trainingsvideos zur Verfügung gestellt wird. Teilnehmende haben die Möglichkeit, ihr Verständnis des Themas über einen kurzen Test zu prüfen und sich zusätzlich eine Urkunde downzuloaden.
Uvex: Der Anbieter hat aktuell um die 40 Händler angeschlossen. „Da wir mit dem Projekt erst gestartet sind, ist der Umsatzanteil noch nicht signifikant, aber doch rasant steigend“, erklärt das Unternehmen. Man stehe in engem Austausch mit den Kunden.