Was soll über die Kampagne
’Change Your Shoes‘ erreicht werden?
Wir möchten das gesellschaftliche und politische Bewusstsein für notwendige Verbesserungen in der gesamten Schuh- und Lederproduktion schärfen. Im Fokus stehen Umwelt- und Sozialstandards, die es in der globalen Lieferkette besser umzusetzen gilt. Politik und Unternehmen sind hier gleichermaßen gefordert, um für Veränderungen zu Gunsten der Menschen und ihrer Rechte in der Lieferkette zu sorgen.
Wie soll das gelingen?
Zunächst geht es darum, entlang der Lieferkette für Transparenz zu sorgen. Als Kampagne für saubere Kleidung kennen wir diese Prozesse aus dem Textilsektor. Insbesondere wenn Unternehmen Mitglied einer unabhängigen Überprüfungsinitiative wurden, wie der Fair Wear Foundation, dann waren dies die ersten vorbereitenden Maßnahmen. Die Geschäftsbeziehungen in der Schuh-industrie sind ebenso komplex, besonders wenn die Vorstufen mit einbezogen werden. Es ist allzu deutlich: Nur wenn ein Unternehmen selbst einen Überblick über die gesamte Lieferkette hat, kann es beginnen, aktiv Risiken oder negative Auswirkungen zu managen.
Wie fielen die Reaktionen auf den Start der Kampagne aus?
Es gab massiven Gegenwind seitens Teilen der Wirtschaft. Dieses Vorgehen bzw. eine Art Verdrängen der Probleme funktioniert nicht länger: Die Herausforderungen der Branche bleiben bestehen und die Probleme werden sogar noch drängender, wenn wir nicht für Veränderung sorgen. Die grundsätzliche Entwicklung ist nicht aufzuhalten. Es gibt den politischen Willen zur Veränderung für nachhaltige globale Lieferketten. Das haben einige Unternehmen früher erkannt als andere.
Ihre Kampagne setzt bewusst auf
Zuspitzung. In der Branche kommt das nicht gut an…
Kampagnen funktionieren, wenn Themen in den Medien präsent sind. Dabei kann Zuspitzung, oder besser gesagt‚ Fokussierung hilfreich sein, auch im Hinblick auf Sensibilisierung einer breiten Öffentlichkeit. Es entspricht jedoch nicht dem Ansatz von Change Your Shoes, einzelne Unternehmen an den Pranger zu stellen.
Man kann jedoch den Eindruck gewinnen, dass es bei einigen NGOs eine gewisse ’Lust‘ an der negativen Bewertung gibt.
Das trifft auf Change Your Shoes definitiv nicht zu. Allerdings können wir nicht von Fortschritten berichten, wenn es diese nicht gibt. Wir sind an einer kritisch-konstruktiven Auseinandersetzung interessiert, daher suchen wir den Dialog mit der Wirtschaft ebenso wie mit der Politik und den Gewerkschaften. Multi-Akteurs-Dialoge bzw. verbindliche Multi-Stakeholder-Initiativen sind dafür geeignete Foren.
Das vollständige Interview mit Berndt Hinzmann lesen Sie in schuhkurier 1/2017.