Das klassische Geschäftsmodell der Modebranche wird zunehmend in Frage gestellt. „Vier Monate Zeit für die Designentwicklung, weitere sechs Monate, bis die Ware in den Laden kommt, das geht nicht mehr“, ist Dorothea Ern-Stockum, Geschäftsführerin bei Kurt Salmon, überzeugt. On-Demand-Modelle seien eine Herausforderung. Aber die vertikalen Anbieter sowie die Online Pure Player seien viel zeitnäher an den Kundenbedürfnissen dran.
Inspiration im Mittelpunkt
Dr. Moritz Hahn, SVP Market & Category Management bei Zalando, sprach vom ’iTunes-Moment‘ und dessen Konsequenzen. iTunes biete Zugang zu allem – in diesem Fall Musik – und das sofort. Spotify gehe noch einen Schritt weiter. „Hier geht es nicht mehr nur um Zugang, sondern um Inspiration.“ Diese Idee präge die Kunden und finde daher zunehmend Eingang in das Mode-Business. Der Berliner Online-Händler reagiert auf diese Entwicklung unter anderem mit seiner Plattform Zalon. Kunden erhalten hier Styling-Vorschläge basierend auf der Kaufhistorie aber auf Wunsch auch im direkten Dialog mit einem von 300 Stylisten. Der tägliche Blick auf das Smartphone widerspreche zudem komplett dem Geschäftsmodell, dass ein Kunde im Laden sechs Monate lang den gleichen Mantel sieht, so Hahn weiter. Zalando will daher nicht täglich, aber zumindest wöchentlich für Frische auf seinen Kanälen sorgen. Das ’Lookalike-Shopping‘ biete zudem einen enormen Mehrwert. So könnten Kunden Artikel vorgeschlagen werden, „die der wahrscheinlich beste Boutique-Inhaber nur mit jahrelanger Kenntnis des Kunden finden könnte“, so Hahn.
Was wollen die Kunden?
Stichwort Kunde: Stefan Knaeble, Managing Director GfK Consumer Panels, beschleicht immer wieder das Gefühl, dass Technik und Logistik das Denken in der Branche dominierten. „Aber was wollen die Kunden wirklich?“ Hier gehe es um den Spagat, den Drang zur Selbstinszenierung sowie das Interesse an Nachhaltigkeit und Verantwortung im Sortiment und in der Kommunikation zusammenzuführen. „Das ist eine echte Herausforderung. Die Kommunikation muss dialogintensiver sein und authentisch“, forderte Knaeble. Das Motto für den Handel laute: „Weg von Problemlöser – hin zum Partner und Gefährten des Kunden.“