Warum erst jetzt?
Für den Außenstehenden mag es angesichts der langen Schuh-Tradition der pfälzischen Stadt verwunderlich sein, dass erst jetzt – 2023 – eine solche Initiative entsteht. Jürgen Cölsch erklärt das so: „Ich bin Schuhmacher in der vierten Gene- ration und habe die Entwicklung der Branche von Kindesbeinen an miterlebt. Viele hiesige Unternehmen haben einander über die Jahre eher als Konkurrenten betrachtet. Es ist nie zu einem gemeinsamen Engagement gekommen. Inzwischen haben sich die Zeiten geändert. Man kommt ohne Netzwerke nicht aus. Darum haben wir uns alle zusammengetan, um das Alleinstellungsmerkmal von Pirmasens hervorzuheben.“ Florian Werner erklärt: „Es war notwendig, dass der Impuls für dieses Vorhaben von außen kam. Man ist selbst oft so beschäftigt mit seinen täglichen Aufgaben, dass man sich für solche Projekte nicht die Zeit nimmt. Alle, die eingeladen wurden, haben sich jetzt zum Mitmachen entschieden. Wir brennen dafür und sind mit Begeisterung und Motivation dabei.“
Menschen für die Branche begeistern
„Wir“, das sind die Marken bzw. Unternehmen Caprice, Flip Flop, Kangaroos, Kennel & Schmenger, MST Shoe Outlet, Peter Kaiser, Semler und Werner 1911, deren Firmensitze und Outlets sich in Pirmasens befinden. „Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es so viel Know-how rund um Passform und Design von Schuhen, das wissen die Menschen in unserer Branche. Aber Außenstehende wissen es meist nicht“, erklärt Jürgen Cölsch seine Motivation. „Eine attraktive Schuhstadt hilft uns auch bei der Gewinnung von Fachkräften. Und unsere Branche bietet interessante Arbeitsplätze in verschiedenen Sektoren, vom Design über die IT bis hin zur Mediengestaltung. Es ist uns wichtig, das herauszustellen. In Pirmasens gibt es innovative Unternehmen, die viel zu bieten haben.“ Wenn Menschen von außerhalb in die Stadt kämen und vielleicht das Caprice-Outlet besuchen, könne man ihnen zeigen, wie das Unternehmen arbeitet. „Ein Blick in unsere Designabteilung oder eine Liveschalte zu einer unserer Produktionsstätten im Ausland sind sicherlich beeindruckend. Wir planen Events wie Tage der offenen Tür. Und vielleicht besuchen die Gäste bei solchen Gelegenheiten auch mal das PFI oder das ISC.“ Auf diese Strahlkraft hofft auch Florian Werner: „Wenn man durch die eigene Brille sieht, nimmt man es als selbstverständlich wahr, dass es hier sehr viel Know-how rund um den Schuh gibt. Außenstehende wissen das oft nicht, vor allem jüngere nicht. Der älteren Generation ist manches noch geläufig, und dieses Bewusstsein geht nach und nach verloren.“