Die Dominanz der Textilhändler auf dem Vermietungsmarkt ist zu Ende. Laut einer aktuellen Analyse von BNP Paribas Real Estate hat sich die Nachfragestruktur im ersten Halbjahr 2019 deutlich verändert. Als Ausgangspunkt sei festzuhalten, dass sich die Gastronomie- und die Textilbranche mit 25 % bzw. 24 % im laufenden Jahr erstmals auf Augenhöhe bewegten, teilten die Immobilienspezialisten mit. „Vor dem Hintergrund, dass die Gastronomen hierbei 10 Prozentpunkte gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre gewinnen, während die Textiler 7 Prozentpunkte einbüßen, wurden Vermietungsanteile und folglich auch Nachfrageimpulse zwischen zwei Branchen mit sehr verschiedenen Flächen- und Lagevorstellungen im Verlauf der letzten fünf Jahre umverteilt“, betont Christoph Scharf, Geschäftsführer der BNP Paribas Real Estate GmbH und Co-Head Retail Services.
Mit knapp 80.000 qm Flächenumsatz (rund 200 Vermietungen/Eröffnungen) wurde zur Jahresmitte 2019 in den größten deutschen Shoppingmetropolen zudem ein etwas geringeres Volumen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum (rund 90.000 qm) registriert – der Umsatz war jedoch höherer als im ersten Halbjahr 2017 (knapp 75.000 qm). Im Städteranking setzen sich nach sechs Monaten bislang Köln (14.000 qm), München (13.500 qm), Frankfurt am Main und Berlin (jeweils 12.000 qm) ab.
Mit über 100 Vermietungen und Eröffnungen (45.000 qm Flächenumsatz) liegen die so genannten B-Cities über dem Vorjahresergebnis und im Bereich des Durchschnitts der vergangenen Jahre. Viel interessanter ist laut BNP Paribas Real Estate in diesem Kontext jedoch, dass die Gastronomiebranche im ersten Halbjahr einen stolzen Anteil von 39% aufweist und Lebensmittler beachtliche 17% zum Vermietungsresultat in dieser Städtekategorie beitragen und sich somit vor die Textiler (anteilig 14%) setzen. „Inwieweit sich zukünftig Sättigungstendenzen von Sektoren ergeben, etablierte und neue Akteure vom Markt verschwinden oder auch einen Aufschwung erleben, wird entscheidend von der Innovationsfreudigkeit einzelner Retailer abhängen, um im harten stationären Wettkampf um die Gunst der Kunden bestehen zu können“, erläutert Christoph Scharf die weiteren Aussichten.