Nahezu alle Menschen werden mit gesunden Füßen geboren, doch über die Jahre entwickeln viele Fußprobleme. Das sagt die Orthopädin und Fußspezialistin Caroline Werkmeister vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf im Gespräch mit dem Zeit-Magazin. Der Mensch sei dafür gemacht, sich barfuß fortzubewegen, doch „stattdessen schotten wir unsere Füße in festen Schuhen von der Außenwelt ab.“ In der Medizin werde das „Us it or lose it“ genannt, also: Nutze es, sonst wird es vom Körper eingestellt.
Werkmeister nutzt dabei den Begriff des „degenerativer Wohlstandsfußes“. Damit meint sie eine Gruppe ungesunder funktioneller Veränderungen, die „eine biomechanische Entgleisung“ als Ursache eint. Schuld daran sei vor allem der heutige Lebensstil, durch den Muskulatur, Sehen, Bänder und Bindegewebe verkümmere. Dadurch seien heutzutage „bestimmt drei Viertel der deutschen Füße krank“. Dies führe unter Umständen sogar zu Schmerzen in Knien oder im Rücken.
Um die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu verbessern, gründet Werkmeister aktuell mit anderen Fachleuten die Deutsche Gesellschaft für funktionelle interdisziplinäre Fußtherapie. Hierdurch sollen die meist zwischen 30 und 60 Jahre alten Betroffenen besser erreicht und versorgt werden. Doch auch Patienten ab acht Jahren aufwärts finden ihren Weg zur Fußspezialistin. „Die Kindheit ist eine kritische Phase“, sagt sie weiter im Interview mit der Zeit. „Der Fuß muss nach der Geburt noch viele Jahre nachreifen.“ Da die Knochen noch nicht vollständig ausgebildet und ausgehärtet sind, sei die „richtige“ Belastung essenziell, um keinen „degenerativen Wohlstandsfuß“ zu begünstigen. Und auch im hohen Alter ist die Fußgesundheit wichtig, selbst wenn der Fuß nicht schmerz. „Denn die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes hängt ganz erheblich mit der Kraft und Funktion der Zehen zusammen“, so Werkmeister. „Stürze wollen Sie also unbedingt vermeiden. Doch wenn Sie erst mit 70 anfangen, sich um Ihre Füße zu kümmern, wird es schwierig.“