Der Modedesigner Christophe Lemaire arbeitete schon für diverse große Namen und legte innerhalb der letzten Dekade eine imposante Karriere hin. Er lernte bei Yves Saint Laurent und Thierry Mugler, war anschließend bei Jean Patou und Christian Lacroix tätig. Darüber hinaus kam es zu Kollaborationen mit Woolmark, Dorothé Bis, Wrangler Japan etc.
Bereits 1991 wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und launchte unter eigenem Namen eine Damen-Linie; nur vier Jahre später kam eine für Herren hinzu. Von 2000 an übernahm er parallel dazu für zehn Jahre die kreative Leitung bei Lacoste, bevor er schließlich im Juni 2010 vom Luxusanbieter Hermès als künstlerischer Leiter für die Bekleidungskollektionen des Hauses angeheuert wurde, was in Frankreich quasi einem Ritterschlag gleichkommt. Sein Stil ist dezent und überzeugt vornehmlich durch Raffinesse in den Details und höchste Qualität. Jede seiner eigenen Kollektionen erzählt eine außergewöhnliche Story, die logischerweise für die Präsentation einen adäquaten Rahmen erforderlich macht. Um das kompromisslos umzusetzen, eröffnete Lemaire 2006 eine eigene Boutique im Haut Marais – dies zu einem Zeitpunkt als jener Teil des Pariser Viertels noch brach lag und nicht die geschätzte Aufmerksamkeit genoss wie es aktuell der Fall ist.
Konsequenz
Das Konzept der ungewöhnlichen Geschichten wird konsequent im Laden fortgeführt. Dieser durfte keinesfalls aussehen wie ein gewöhnlicher Store. Im Gegenteil. Alles sollte extrem gemütlich und unprätentiös wirken. Genau wie seine Mode erzählt selbstverständlich auch das extravagante Interieur seiner Boutique eine spezielle Story. Lemaire kreierte eine fast schon intime Atmosphäre für sein Geschäft in der Rue de Poitou. Wenn Passanten beim Betreten leicht irritiert schauen und im ersten Moment glauben, sie wären versehentlich in einen privaten Bereich vorgedrungen, dann wurde das Ziel erreicht. Der bis heute unabhängige Designer ist nicht an Laufkundschaft interessiert, hier finden sich eigentlich nur Insider und echte Modeenthusiasten ein – und es geht garantiert immer sehr entspannt zu. Überall liegen Kissen herum, die zum Relaxen genutzt werden können, einige davon finden allerdings auch als Podest eine Verwendung.
Viele Einrichtungsgegenstände ermöglichen ein hohes Maß an Flexibilität, wodurch dem Ganzen rasch ein neues Gesicht verpasst werden kann. Die Lichtquellen wurden zudem indirekt eingesetzt, so dass keine grellen Strahler stören oder gar die Farben verfälschen können. Auffällig ist die verspiegelte Decke im Stil der 70er. Man könnte meinen, man befinde sich in einem exklusiven Club, einem modernen Boudoir oder vielleicht in einem orientalischen Zimmer – auf jeden Fall hinterlässt das Ambiente einen unvergesslichen Eindruck. Der rückwärtig gelegene zweite Raum verblüfft schließlich noch mit einem Stilbruch: Turngeräte und übereinander gestapelte Musik-Boxen verleihen ihm ein sehr zeitgemäßes Flair. Er bietet Platz für spezielle Events wie Ausstellungen und dergleichen. Das Sortiment ist handverlesen. In kleinen Vitrinen warten Schmuckstücke und andere Accessoires auf ihre Liebhaber – fast ausschließlich Dinge, die in Kooperation mit anderen Labels, beispielsweise Masanori Oji aus Japan, entwickelt und gefertigt werden. So finden Einflüsse aus vielen Ländern ihren Weg in den charismatischen Store. Das Interieur bietet genügend Platz, um einzelne Themen der Saison, die stets in kompletten Arrangements präsentiert werden, optisch zu trennen. Gleiches gilt für mehrere schmale Schaufenster des alten Hauses, in dem sich in den oberen Geschossen das Headquarter des Meisters befindet. Vom Kleid oder Anzug, über Tücher oder Schals, bis hin zum Schuh – anspruchsvolle Kunden finden hier einfach alles, was das Herz begehrt.
www.christophelemaire.com