CEO Quingyong Wu und COO Minghong Wu seien seit dem vergangenen Wochenende nicht mehr erreichbar, hätten ihre Wohnstätten verlassen und das Geld aus der Firmenkasse offenbar entwendet. Der „ganz überwiegende Teil der liquiden Mittel, sowohl auf der China- als auch auf der Hongkong-Ebene“ sei transferiert worden, so dass er „sich nicht mehr im Einflussbereich des Unternehmens befindet“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Konkrete Summen wurden nicht genannt.
Im Geschäftsbericht vom Mai 2014 wurden liquide Mittel in Höhe von 124,9 Mio. Euro ausgewiesen. Zudem hatte das Unternehmen offenbar im August eine Rahmenkreditvereinbarung mit der Nomura International (Hongkong) Ltd. über 60 Mio. US-Dollar abgeschlossen. Dieser Betrag soll innerhalb von drei Monaten nach Vertragsunterzeichnung abrufbar sein. Unklar ist derzeit noch, ob dies inzwischen geschehen ist.
Nun soll das Unternehmen noch über einen größeren sechstelligen Betrag verfügen; Rechnungen könnten jedoch in gewohnter Weise bezahlt werden, heißt es.
Unterdessen stürzte die Aktie des Schuhanbieters um 80% ab. Im Herbst hatte die Holding rund 17% von 600.000 kurz zuvor ausgegebenen Gratispapieren für 9,20 Euro je Aktie von den Anlegern zurückgekauft. Aktuell liegt der Wert der Aktie unter 2 Euro.
Die Ultrasonic AG wurde im Jahr 2011 als deutsche Holdinggesellschaft der chinesischen Ultrasonic-Gruppe in Köln gegründet. Das Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt nach eigenen Angaben Sandalen, Slipper und Schuhsohlen für den chinesischen Markt und beschäftigt in der Gruppe 1.500 Mitarbeiter.
Anfang September hatte der Konzern informiert, dass COO Minghong Wu gesundheitsbedingt sein Amt für rund sechs Monate ruhen lasse. Die operativen Aufgaben sollten für diese Zeit von CEO Qingyong Wu übernommen werden. Beide sind inzwischen spurlos verschwunden.
Der Fall der Ultrasonic AG ist nicht der erste dieser Art. Auch die Chefs des Papierherstellers Youbisheng Green Paper AG und des Modeherstellers Kinghero setzten sich vor Kurzem ab. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warnt Anleger vor Investments in unbekannte Aktien aus China. Bei diesen Unternehmen könnte beim Börsengang nicht der Emissionserlös im Vordergrund stehen, sondern der durch die Börsennotiz leichtere Zugang zu Bankkrediten in China.