„It’s the end of fashion as we know it!“ Li Edelkoort, eine der führenden Trendforscherinnen, hat der Mode kürzlich ein jähes Ende prognostiziert. Sie sei zu weit entfernt von den Bedürfnissen der Konsumenten, getrieben vom Marketing und bloß eine pathetische Kopie ihrer selbst. Edelkoort sieht für die Zukunft der Branche zwei maßgebliche Strömungen voraus: Die Wiederbelebung der Haute Couture (und ihren Einfluss auf die Straßenmode) sowie die wachsende Bedeutung der Kleidung. Des Einzelteils. Des Shirts.
Mit der Zukunft der Mode an sich und den ersten Tendenzen für Frühjahr/Sommer 2016 befasste sich auch der DMI Fashion Day in Düsseldorf. Die Herausforderungen für die Branche sind immens. „Wenn man etwas Neues sehen will in der Mode, darf man aktuell nicht auf die Mode sehen“, sagte der Journalist und Stilexperte Jeroen van Rooijen zu Beginn der Veranstaltung und kritisierte damit nicht nur die internationalen Designerschauen, sondern auch die ganze Industrie, die getrieben sei, statt zu entschleunigen. „Wir brauchen Handelsplätze, keine Schauplätze“, so van Rooijen. Aber auch der Verbraucher sei überfordert durch das ’too much, too many‘, also das Überangebot an Marken und Produkten. Und würde letztlich davor kapitulieren. „Zeitgeist ist unvorhersehbar geworden“, warnte Jeroen van Rooijen. Zielgruppen, angetrieben durch die Digitalisierung, würden sich rasant ändern und neu erfinden. „Die Menschen sind überfordert, sie sehnen sich nach Ordnung und Orientierung“, so von Rooijen. Die Chance für die Branche bestehe darin, Mode als analogen Gegenpol zur allgegenwärtigen Digitalisierung zu positionieren. Und als Wellnessprodukt zu verstehen – durch hochwertige Materialien, Nachhaltigkeit, Leichtigkeit. Entlastung, Entschlackung, Entschleunigung sollten sich durch die Kollektionen ziehen. Statt konstruierter Fashionthemen stünden Kleidungsstücke im Mittelpunkt. Und diese sollen möglichst komfortabel und funktional sein.
„Androgynität liegt in der Luft“
Auch für den Handel sieht Ulla Ertl vom Marktforschungsinstitut HML Modemarketing Zukunftschancen durch Entschlackung der Sortimente: „Begeisterung muss durch Einfachheit geschaffen werden“, so Ertl. Man müsse für seine Zielgruppe Rückzugsorte schaffen im Handel. Orte, an denen der Kunde nicht überfordert und überflutet wird, sondern durch ein abgespecktes, klares und aufeinander abgestimmtes Sortiment geleitet wird. „Die Begehrlichkeit der Mode ist da, für den Werteverfall sorgen wir selbst“, mahnte Ertl angesichts von E-Commerce, verändertem Konsumverhalten, der Verschiebung der Vertriebswege und dem Wegsterben des stationären Einzelhandels. Daher brauche der Handel konzentrierte und leichter lesbaren Kollektionen. Die ersten Impulse für Frühjahr/Sommer 2016 lieferte der DMI gleich mit. Die Tendenz geht hin zu mehr Volumen, mehr Lagen, mehr Schichtungen – sowohl in der DOB als auch in der Haka. „Androgynität liegt in der Luft“, betonte Jeroen van Roojien. Über Materialität werden bekannte Formen und Silhouetten neu belebt. Optimismus, Naturverbundenheit, Sportivität und ein ironisches Spiel mit den Stilmitteln der 70er-Jahre gelten als wichtigste Impulsgeber in den Kollektionen.