Was haben Büffelmozzarella und Vibramsohlen gemeinsam? Eigentlich nichts, jedoch bringt man beides mit einer kleinen norditalienischen Gemeinde in der Lombardei in Verbindung. 1936 entwickelte Vitale Bramani die weltweit erste Gummisohle in Albizzate am Fuß der Voralpen.
Aus den Anfangsbuchstaben des Vornamens (Vitale) und des Nachnamens (Bramani) wurde schließlich der Markenname Vibram ins Leben gerufen. Auch wenn den meisten der Name an sich noch nichts sagt, so kennt doch fast jeder das langgezogene gelbe Logo, das sich auf vielen Schuhsohlen befindet. Dieser internationale Bekanntheitsgrad kommt allerdings nicht von ungefähr: Kennzeichnend für den Begriff Vibram sind nämlich besonders abriebfeste Schuhsohlen aus Gummi, die unter Einsatz der Vulkanisierungstechnologie von Charles Goodyear produziert werden. Zu Beginn war die Gummisohle vor allem an Berg-, Wander- und Sportschuhen zu finden, erst später etablierte sich der Einsatz auch innerhalb der Fashion-Branche. Inzwischen zählt das italienische Traditionsunternehmen zum weltweit führenden Hersteller in diesem Bereich.
Vom tragischen Bergunfall zur innovativen Idee
1936 überlebte der Bergsteiger Vitale Bramani einen tragischen Unfall auf dem Punta Rasica, einem Berg an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien. Sechs seiner Kameraden mussten mit dem Leben bezahlen. Damals war es noch üblich, die schweren, genagelten Schuhe vor dem Aufstieg gegen leichtes Schuhwerk auszutauschen, das bei extremen Bedingungen absolut untauglich war. Bramani nahm diese Tragödie zum Anlass, um neue rutsch- und witterungsfeste Sohlen für alpines Gelände zu entwickeln. Gemeinsam mit dem berühmten Reifenhersteller Pirelli kreierte er eine flexible Sohle, bei der er die übliche nagelbeschlagene Ledersohle durch Naturkautschuk ersetzte. Das Ergebnis war die weltweit erste wasser- und winterfeste Gummisohle. In den darauffolgenden Jahren wurde die Sohle immer weiter optimiert und verfeinert. Heute werden von Vibram 35 Mio. Sohlen pro Jahr produziert, 300 neue Projekte entwickelt und diese auf über einer Million Kilometern getestet. Mittlerweile vertrauen rund 1.000 Partner aus der Schuhbranche auf das Know-how der Italiener. Rund 500 Mitarbeiter kümmern sich weltweit um den stabilen, trittfesten Untergrund.
70 Jahre Qualität, Leistung & Sicherheit
Heute ist Vibram unter modernen Outdoor-Schuhen, aber auch im Arbeitsbereich oder in der Lifestylebranche nicht mehr wegzudenken. Seit 70 Jahren müssen die strapazierfähigen Gummisohlen nun schon einiges aushalten. Damit das im Ernstfall auch so bleibt, werden im Headquarter in Albizzate bei der Entwicklung von neuen Sohlenkonzepten ausreichend Tests durchgeführt. „Um die Funktionalität zu überprüfen, setzen wir verschiedene Methoden ein. So geht es bei vielen Sportsohlen in erster Linie um den entsprechenden Grip, den wir unter extremen Bedingungen – bergauf oder aber bergab mit und ohne Nässe – überprüfen. Dank kontinuierlicher Forschung und Entwicklung, unterstützt durch Labortests und biomechanische Studien in der Realität, sind wir in der Lage, die fortschrittlichsten Sohlen zu entwickeln, die heute verfügbar sind”, erläutert Max Sacchi, Research & Development. Neben einer eigenen Indoor- und Outdoortestanlage sind das Design und ein spezielles Entwicklungs- und Produktteam in Albizzate zu Hause. Darüber hinaus kümmert man sich vor Ort um alles Wichtige in Richtung Marketing, PR und Kommunikation. In der Produktion im Werk nebenan entsteht dann schließlich auch das bekannte, gelbe Markenlogo, das auf jeder Vibram-Sohle zu finden ist. Dieses besteht aus einer ganz besonderen Mischung, nur so kann man sofort erkennen, ob es sich um ein Original oder eine Fälschung handelt.
Ein Interview mit Jerome Bernard, Marketingdirektor von Vibram, lesen Sie in der schuhkurier Ausgabe 26/2014.