stepsuisse: Wie lief das Jahr 2013 für den Schweizer Schuhdetailhandel?
Dieter Spiess: Nach einem sehr ungünstigen Frühjahr kam zunächst ein besserer Sommer. Für den Herbst gab es dann Hoffnung auf weitere Besserung, die allerdings dann nicht eintrat. Es war eine Berg- und Talfahrt, und am Ende kam ein sehr unglücklicher Dezember. Das hat die Schweizer Händler auf den Boden der Tatsachen geholt – das Jahr endete mit einer Nullrunde, flächenbereinigt sogar mit einem leichten Minus. Bemerkenswert ist dabei, dass die grösseren Filialisten etwas mehr von den Schwankungen betroffen waren als die kleineren Händler. Diese konnten bestimmte Schwächen offenbar gut kompensieren. Die Kunden, die nicht online einkaufen, kamen bei den kleinen Händlern auf ihre Kosten. Es gibt Ergebnisse von bis zu 5% im Plus.
stepsuisse: Welche Erwartungen haben Sie an das Jahr 2014?
D.S.: Die Kaufkraft ist da, der Wirtschaftsbarometer ist unverändert positiv, die Voraussetzungen sind also günstig. Allerdings ist in der Schweiz auch eine Zunahme der Arbeitslosigkeit zu beobachten, und die Bevölkerung ist beunruhigt. Meine Prognose ist: 2014 wird nicht besser als 2013. Derzeit wird von einem Wirtschaftswachstum von 1,5% ausgegangen. Es ist aber möglich, dass diese Prognose noch nach unten korrigiert werden muss. Die Verschärfung der Situation nimmt zu; ebenso das Flächenwachstum. Der Kuchen indes wird nicht grösser. Es wird also mit Sicherheit nicht leichter.
stepsuisse: Was halten Sie für die wichtigsten Aufgaben, die ein Schweizer Schuhhändler 2014 zu lösen hat?
D.S.: Es wird wichtiger denn je sein, die Kollektionen kreativ und mutig anzugehen. Immer wieder Dinge zu verändern, in Bewegung zu bleiben. Zwingend erforderlich ist es meiner Ansicht nach auch, nicht immer in die Vergangenheit zu schauen, sondern den Blick in die Zukunft zu richten. Für mich kommt vermehrt zudem das frühzeitige Erkennen von Veränderungen des Konsumentenverhaltens hinzu. Konkret geht es um unternehmerische Verantwortung. Und diese Verantwortung muss sich bis zu den Mitarbeitern im Verkauf durchziehen. Denn sie sind die Garanten dafür, dass das umgesetzt wird, was der Händler plant. Verkaufsmitarbeiter können Multiplikatoren sein – aber sie werden oft gar nicht oder zu wenig in die Umsetzung der Strategien einbezogen. Viele Verkäuferinnen wissen gar nicht, was das Ziel des Unternehmens ist, in dem sie arbeiten. Ein Händler muss dafür Sorge tragen, dass die Verkaufsmitarbeiter so gut integriert sind, dass sie das Geschäft als ihr Unternehmen ansehen. Ich empfehle dringend die Nutzung von Weiterbildungsangeboten und internen Schulungen. Mir ist aber auch bewusst, dass die Integration der Mitarbeiter umso schwerer wird, je grösser ein Unternehmen ist.
Das ausführliche Interview mit Dieter Spiess lesen Sie in der stepsuisse Ausgabe 01/2014