Sie sollen das Footwear-Segment von Jack Wolfskin „ausbauen“ und „weiterentwickeln“…
Jack Wolfskin hat hier bereits großartige Vorarbeit geleistet. Vor über einem Jahr hat das Team damit begonnen, den Kollektionsdruck zu reduzieren und die Rahmenplanung zu straffen. Hinzu kommt, dass Footwear über diesen Zeitraum von unserem Apparel und Equipment VP mitgeleitet wurde. So entstand ein noch besseres Verständnis für die Abläufe und die Anforderungen zur Integration in das Gesamtsortiment. Das Qualitätsmanagement, das Sourcing und Development haben große Fortschritte gemacht. Die Produktionskette wurde erheblich verschlankt und die Partnerschaften mit unseren Zulieferern und Produktionspartnern gestärkt. Unsere Mission geht somit über den Ausbau der Footwear-Kategorie hinaus. Wir führen die zahlreichen Stärken der Marke abgestimmt zusammen, um so die Potenziale noch gezielter nutzen zu können.
Was heißt das konkret?
Im Footwear-Bereich setzen wir auf drei Bausteine. In der Kollektion treiben wir unsere Innovationen bei der Materialauswahl, in der Ausstattung sowie der Funktionalität weiter voran. Wir möchte noch spannendere Trageerlebnisse schaffen. Unsere Produkte entwickeln wir nach deutscher Ingenieurskunst. Im Design werden wir mutiger und bauen auch mehr sichtbare Jack Wolfskin spezifische Charakteristika ein. Darüber hinaus werden wir unser Angebot im Bereich Urban Outdoor, Nachhaltigkeit und Performance Lifestyle ausbauen. Operativ und in der Planung werden wir längerfristig angelegte Modell-Zyklen einführen sowie die Verfügbarkeit und Nachlieferfähigkeit verbessern. Unsere Segmentierung und Kollektionsgestaltung wird zudem auf unsere verschiedenen Kanäle (stationärer Handel und E-Com) abgestimmt sein. Auch die Markenpositionierung wird angepasst. Unser Storytelling im Footwear-Bereich wird künftig noch besser mit den anderen Kategorien abgestimmt und unser Marketing wird spezifisch auf Footwear eingehen.
Wie gehen Sie vor? Wann werden erste Anpassungen sichtbar sein?
Gerade definieren wir die Kollektionsstruktur neu und gestalten sie übersichtlicher. Ich habe in der H/W 22-Kollektion bereits ein paar Anpassungen vorgenommen und Artikel aufgenommen, die meines Erachtens nach gefehlt haben. Mein Team und ich konzentrieren uns aber bereits heute verstärkt auf die Saison F/S23. Dafür bauen wir die Kollektionen aus, die heute erfolgreich sind, und präsentieren ein ganz neues Design und einzigartige Innovationen. Flexibilität und Verantwortungsbewusstsein sind sehr wichtig, weil die Märkte und Trends so viele Möglichkeiten bieten. Wir müssen in der Lage sein, schnell zu reagieren, uns dann aber auch im richtigen Moment für eine Strategie entscheiden. Seit meinem Start am 1. Juni haben wir mit den Produkten aus der FS23 Kollektion noch mehrere zusätzliche Runden mit Design- und Development-Konzepten gedreht. Das erforderte einen hohen Arbeitseinsatz und es war schön zu sehen, dass ich bereits in den ersten Wochen einen großen Vertrauensvorschuss erhalten habe. Das hat sich gelohnt. Das Kollektionsangebot war in meinen Augen noch nie so spannend. In der gesamten Organisation wird auf eine deutlich bessere Abstimmung zwischen den Kategorien gesetzt. Thematisch und insgesamt wird so ein noch besser abgestimmtes Storytelling möglich werden.
Wie wichtig ist Nachhaltigkeit für Jack Wolfskin?
Das Thema Nachhaltigkeit ist für Jack Wolfskin sehr wichtig! Wir sind in dem Thema personell und strukturell sehr gut aufgestellt. In der Footwear Abteilung hat Jack Wolfskin bereits 2018 eine Abteilung für Testing und Nachhaltigkeit etabliert, zusätzlich zum ohnehin bereits vorhandenen Vendor Control Team, das wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit kontrolliert und begleitet. Das Produktmanagement und das Development Team integrieren nachhaltige Gesichtspunkte schon bei der Konzepterstellung und im weiteren Entwicklungsprozess. Zusätzlich zu den sehr hohen Nachhaltigkeitsstandards für Bekleidung und Equipment bauen wir sukzessive den anerkannten LWG (Leather Working Group) Standard für Leder aus und verstärken unser Sourcing Team, um mehr innovative und nachhaltige Materialien zu verarbeiten. Höchste Priorität hat auch der ökologische Aspekt unserer Produkte. Hier gehen wir mit unserer hausinternen RSL (Restricted Substances List) und unserem Greenbook weit über das geforderte Maß von REACH hinaus. Das Team hat in den vergangenen Monaten unsere Lieferanten und Produktionspartner auf eine Handvoll starker Supplier reduziert. Dadurch ist der Grundstein für noch höhere Nachhaltigkeitsziele und Innovation in diesem Bereich gelegt. Nachhaltigkeit beschränkt sich aber nicht nur auf Materialien und Prozesse. Langlebigkeit und Vielseitigkeit eines Produktes zahlen ebenso darauf ein. Zudem wollen wir mehr Aufklärungsarbeit leisten. Eine Marke mit dem Bekanntheitsgrad, wie ihn Jack Wolfskin hat, erreicht weltweit viele Menschen.
Welche Rolle spielt der Schuhfachhandel bei Jack Wolfskin?
Wir möchten den Schuhfachhandel zukünftig noch besser bedienen. Potenzial sehen wir hier auch im Multifunktionsbereich. Wir streben eine Kollektionsstrategie an, die auf die Kompetenzen des Schuh-Fachhandels einzahlt und eine Brücke zwischen Alltagskomfort und Outdoor-Performance schlägt. Das sind die Themen, die der Handel jetzt braucht und die ihn mit unserer Marke verbinden. Zudem ist der Bekanntheitsgrad unserer Marke groß, das bietet Ansporn für eine Zusammenarbeit. Hinzu kommt, dass Jack Wolfskin operativ sehr gut aufgestellt ist. Core-Programme mit sehr hoher Nachlieferfähigkeit und Systemkompatibilität machen uns neben unseren Produkten zu einem starken und verlässlichen Geschäftspartner.
Das Interview mit Selim Say von Jack Wolfskin finden Sie im neuen Heft.