Mitte März traf sich das BTE-Präsidium unter der Leitung von BTE-Präsident Steffen Jost zu seiner turnusmäßigen Frühjahrssitzung. Bei der Analyse der aktuellen Situation des Modehandels wurde konstatiert, dass 2014 einige Modehäuser überdurchschnittlich abgeschnitten haben, die trotz der grassierenden Reduzierungswelle ihre Preise lange stabil gehalten haben, zum Teil bis Mitte Dezember oder in manchen Sortimentsbereichen sogar bis Anfang Januar.
Die Lagerräumung der Herbst/Winter-Ware verlief im Modehandel unterschiedlich. Zum Teil waren die Bestände aufgrund zu optimistischer Planungen auch mit hohen Abschlägen nicht vollständig zu bereinigen. Das betrifft auch NOS-Ware, die in vielen Häusern nicht mit der erforderlichen Konsequenz geplant wird. Insgesamt monierte das BTE-Präsidium, dass der Vororder-Anteil im Modehandel meist zu hoch liegt und zu wenig Reserven für kurzfristige Nachkäufe lässt. Gerade bei Systemlieferanten mit monatlichen oder 14-tägigen Auslieferungen fehlt oft ausreichend Zeit für Abverkäufe, weil die Nachfolgeprogramme auf die Fläche drängen. Die Folge sind dann Flächenbereinigungen mit dem Rotstift, die der Rendite schaden und das Image der Branche, des Hauses und der Marke beeinträchtigen.
Hinzu kommt, dass im breiten, eher Bedarfs-getriebenen Markt die Auslieferungen an den Handel meist zu früh erfolgen. Zwar wollen einzelne Modehändler die neue Ware früh auf der Fläche zeigen, um erste Mode-interessierte Kunden bedienen zu können. Letztendlich führt dieses Verhalten jedoch dazu, dass gerade bei ungünstigem Wetterverlauf neue Ware wochenlang im Geschäft liegt, ohne dass eine nennenswerte Nachfrage auftritt. Das hat zur Folge, dass die Ware für den Händler und auch die Verkaufskräfte viel zu früh als ’Altware‘ angesehen und klassifiziert wird. Sie wird dann zu oft – auch aufgrund entsprechender Preisaktionen von Mitbewerbern oder sogar der Lieferanten – reduziert, obwohl sie noch gar keinen Kontakt mit Bedarfskunden hatte. So werden unnötig Umsatz und Rendite verschenkt, was sich der Modefachhandel im zunehmenden Wettbewerb mit anderen Vertriebskanälen nicht mehr leisten kann.
Das BTE-Präsidium appelliert deshalb an die Lieferanten, ihre Absatzmarkt-Ausrichtung zu erhöhen und sich beim Auslieferungszeitpunkt der Ware näher am Bedarf der Endkunden und an den tatsächlichen Abverkäufen zu orientieren. Zwar behelfen sich erste Modehändler damit, die Ware selbst (teuer) zwischenzulagern, um kurzfristig reagieren zu können. Letztendlich ist dies jedoch die Aufgabe der Industriepartner, die ohnehin weitaus günstigere Lagermöglichkeiten haben oder organisieren können. Vorbild sind hier vertikale Anbieter wie z.B. Zara, die es selbst bei kurzen Leadtimes schaffen, ihre Produkte kundengerecht auf die Fläche zu bringen. Die arbeitsteilige textile Kette hat hier in punkto Schnelligkeit, Saisontaktung und Treffsicherheit der Liefertermine noch erhebliche Defizite, die unbedingt verringert werden müssen!