’-50%‘, ’20% auf alles‘, ’Mid Sale‘, Hauptsache, das Zeug wird gekauft, so die unterschwellige Botschaft. Von einem wertigen Einkaufserlebnis kann angesichts solcher Aktionen – Ende Mai, keineswegs Ende Juli! – kaum die Rede sein.
01.06.2016
Petra Salewski
2 Minuten
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Wer dieser Tage mit aufmerksamem Blick durch die Innenstädte geht, wird sie finden: die Plakate und Schilder, auf denen intensiv, quasi mit aller Gewalt dafür geworben wird, dass es hier Mega-Angebote abzugreifen gibt. ’Sale: -50%‘, ’20% auf alles‘ ’Mid Sale‘. Hauptsache, das Zeug wird gekauft, so die unterschwellige Botschaft. Von einem wertigen Einkaufserlebnis kann angesichts solcher Aktionen – Ende Mai, keineswegs Ende Juli!! – kaum die Rede sein.
Es war nicht verwunderlich, dass die auf Facebook geposteten Foto-Belege des derzeit auf Hochtouren laufenden Reduzierungs-Wahns eine hitzige Diskussion nach sich zogen. Viele Branchenmitglieder meldeten sich zu Wort: „Überangebot am Markt, unkontrollierte Flächenexpansion… Wen wundert’s“, beklagte eine Schuhhändlerin. Ein Branchenkenner wies auf das veränderte Verbraucherverhalten hin: „Die Kunden kaufen immer mehr nach tatsächlichem Bedarf, und das ist meistens immer später in die Saison hinein, und der Handel gibt genau in dieser Phase die meisten Pauschalrabatte auf Saisonartikel über viele Wochen. Das ist vergleichbar mit einer Eisdiele, die im Hochsommer Happy Hour macht.“ Als Verantwortliche für diese Entwicklung sehen einige Diskussionsteilnehmer die größeren Unternehmen im Markt. „Den Großen geht die Luft bzw. das Geld aus. Dann wird schnell reduziert, damit das Konto gefüllt wird.“ Eine Userin ergänzt: „Konzernweit wird (in einem großen Warenhauskonzern – Anm. d. Red.) die offene Ware im Juni reduziert. Diese Warengruppe kann man in Bayern locker bis Ende 7, Anfang 8 ohne Reduzierung verkaufen. (…) Unterm Strich bleibt der Umsatz gleich, nur die Rendite ist geringer.“
Will der Kunde 20% auf alles?
Ein Branchenteilnehmer verwies im Zuge der Diskussion auf die Gehaltsstruktur in Deutschland. „Die Gehälter (…) sind zu niedrig, und ohne Geld kann man einfach nicht konsumieren. Wir sind im europa- weiten Vergleich ganz hinten, was das Konsumieren angeht. (…) Es wäre der richtige Zeitpunkt, den Konsum anzufeuern. Die Zinsen sind niedrig und Sparen bringt relativ wenig, aber kennt jemand einen Politiker, der sich diese Problematik auf die Fahne schreibt? Der Handel ist schon lange aufgegeben.“
Die engagierte Social Media-Diskussion am vergangenen Wochenende offenbarte, wie groß der Frust in der Branche ist. Und das Problem ist nicht neu, es wird immer wieder aufs Neue aktuell. In jeder Saison. Seit Jahren. Nur: Will der Kunde solche Aktionen überhaupt? Zumindest das Verkaufspersonal in Geschäften ist skeptisch. „Manche Kunden sehen nicht einmal mehr die Plakate an den Schaufenstern“, so die Mitarbeiterin eines Filialisten. Manchmal müsse man an der Kasse extra darauf hinweisen. „Ein Lockmittel sind 20% auf alles längst nicht mehr“, so die Dame. Das sollte zu denken geben.
Wollen Sie der Diskussion folgen?www.facebook.com/Petra.Salewski.schuhkurierKommentar aus der schuhkurier Ausgabe 22/2016