’20% auf alle Schuhe. Nur für kurze Zeit.‘ ’30% auf alle Schuhe über 60 Euro – Code Nikolaus30‘, ’20% auf alles – online und stationär, auch auf bereits reduzierte Ware‘, ’Adventssale: -50%‘…
So prangen deutschlandweit die Plakate auf den Schuhgeschäften und ploppen die bunten Werbebanner in den Onlineshops unserer Branche auf. Das Katastrophenjahr 2018 nähert sich seinem unrühmlichen Ende. Die Angst sitzt tief, dass das Ruder so schnell nicht mehr rumzureißen ist. Und nur wenige haben die Kraft und den Willen, dieser Angst zu widerstehen und von großflächigen Rabatten (vorerst) abzusehen. Und so klingen sie quer durch die Republik, die Glocken, nicht süß, sondern bitter. Das Weihnachtsgeschäft hat in diesem Jahr einen verhaltenen Start hingelegt. Wer am vergangenen Wochenende in den Städten unterwegs war, wird festgestellt haben, dass die Frequenz zwar grundsätzlich in Ordnung war, dass sich vor allem aber im Umfeld von Gastronomie und/oder Weihnachtsmärkten viel Publikum tummelte. In den Läden herrschte oft ein Betrieb, wie man ihn von einem ganz normalen Samstag kennt. Kaum lange Schlangen an den Kassen. Kein Gedränge in den Gängen. Keine genervten Menschenmassen. Warum auch, schließlich dürfte ein großer Teil des Weihnachtsgeschäft bereits rund um den Black Friday gelaufen sein. Im Schuheinzelhandel war die Lage vielerorts noch schlimmer. Schließlich findet das Weihnachtsgeschäft in unserer Branche traditionell nur marginalen Durchschlag. Wenn überhaupt, treibt das Wetter die Bedarfskunden zum Jahresende in die Läden. Schneefall und Minustemperaturen können durchaus einen kräftigen Umsatzschwung in die Kassen wirbeln. Bei fast frühlingshaften Temperaturen, wie sie am ersten Dezember-Wochenende herrschten, war allerdings in manchen Schuhgeschäften eher eine von gähnender Langeweile geprägte Atmosphäre spürbar. Kuschelige lammfellgefütterte Boots, drastisch reduziert – sie lagen wie Blei in den Regalen. Längst sind die Kunden daran gewöhnt, dass man ohne Not erst einmal in Ruhe schauen und auch online stöbern kann, ohne ein Trendmodell zu verpassen. Warum sollte man sich also stressen?
Ganz davon abgesehen, dass 20%-Aktionen inzwischen so abgenutzt sind, dass man damit vermutlich niemanden mehr hinterm Ofen hervorlocken kann. Glückwunsch! Viele Kunden gehen außerdem davon aus, dass die reduzierten 20% vorher eingepreist waren. Und fühlen sich nicht mehr wie Schnäppchenjäger, sondern wie verschaukelte Konsumenten.
Vielleicht wäre ein unlängst in einer anderen Branche gesehener Werbebanner die nächste Stufe: ’Jetzt shoppen: Ware bis zu 95% reduziert!‘ … oder das Ende.