Die Outlet-Verkaufsfläche erhöhte sich im vergangenen Jahr um knapp 100.000 qm, was in etwa der Größe von neun Fußballfeldern entspricht. Das stärkste Outlet-Wachstum vollzog sich in diesem Zeitraum in Frankreich und Italien, aber auch in Spanien und der Tschechischen Republik waren verschiedene Neueröffnungen zu verzeichnen. Diese Entwicklung wird sich nach Einschätzung der Ecostra-Marktforscher auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Nach wie vor sei in den Ländern Europas die Pipeline mit Standort- und Erweiterungsplanungen gut gefüllt, teilen diese mit. Dies treffe neben Deutschland neuerdings auch auf einen nationalen Markt zu, welcher lange Zeit als gesättigt galt: das Vereinigte Königreich. Auf der britischen Insel findet sich mit aktuell 35 Centern die höchste Standortdichte der Outlet Center in Europa. An sieben weiteren Standorten laufen derzeit Planungen zur Realisierung neuer Fabrikverkaufszentren.
Zielmarkt Deutschland
Der eigentliche Zielmarkt ist laut Ecostra jedoch nach wie vor Deutschland. Hier zählen die Experten derzeit zehn Standortplanungen, wobei aber viele noch in einem Genehmigungsverfahren mit meist unsicherem Ausgang stecken. So werde sich Ende des Jahres mit dem Beschluss des Oberverwaltungsgerichts Münster zeigen, ob die Planung des Outlet-Betreibers Neinver im westfälischen Werl fortgesetzt werden kann. Deutlich weiter sei diesbezüglich der Marktführer McArthurGlen mit der beabsichtigten Erweiterung des Centers in Ochtrup und der Errichtung eines neuen Centers in Remscheid. Allerdings sieht sich McArthurGlen an beiden Standorten ebenfalls noch mit Klagen von Nachbargemeinden konfrontiert. Dagegen hat die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern Ende 2017 die Outlet-Planung in Wittenburg östlich von Hamburg positiv beschieden. Gebaut wird bereits im bayerischen Selb. Ausgehend von dem Areal einer ehemaligen Porzellanfabrik wird hier ein modernes Outlet-Konzept realisiert, das in mehreren Bauabschnitten sich bis in die Innenstadt von Selb ausdehnt und mit dieser verkoppelt werden soll. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts ist für Herbst 2019 vorgesehen.
City Outlet-Konzept als Rettungsanker
Deutschland ist aber auch jenes Land, in dem erstmals leerstehende Ladenflächen in einer historischen Innenstadt mit einem einheitlichen Outlet-Konzept wiederbelebt wurden. Das 2014 eröffnete City Outlet in Bad Münstereifel hat entsprechend eine nationale und teilweise auch internationale Aufmerksamkeit erhalten. „Viele Städte und Gemeinden sind in ihren Altstädten mit einer grassierenden Leerstandsproblematik konfrontiert. Kleine Flächen mit oft ungeeigneten Zuschnitten finden selbst bei günstigsten Mietpreisen keine Nachfrager mehr. Da ist ein Outlet-Konzept häufig der letzte Rettungsanker“, erläutert der Ecostra-Geschäftsführer Joachim Will. Die Liste der Gemeinden, welche einen solchen Anlauf unternommen haben ist lang und reicht von den mittelfränkischen Städten Feuchtwangen, Dinkelsbühl und Öttingen über Zwiesel und Gerolzhofen (alle Bayern), Kirchheimbolanden (Rheinland-Pfalz), Usingen und Rotenburg an der Fulda (beide Hessen) bis nach Emmerich am Rhein und Rietberg (beide Nordrhein-Westfalen). Auch im österreichischen Reutte (Tirol), im italienischen Biella (Piemont) und im niederländischen Hulst (Zeeland) wurde versucht, das Konzept von Bad Münstereifel zu kopieren. Alle diese Versuche sind soweit gescheitert. Die Gründe waren meist fehlende Investoren oder eine mangelnde Flächennachfrage. In Rietberg standen Investoren bereit und auch Markenherstellern waren in ausreichender Zahl an einer Anmietung interessiert; dieses Projekt wurde im Mai 2018 aber durch einen Bürgerentscheid gestoppt. Damit befindet sich aktuell kein weiteres solches City Outlet-Konzept in der Umsetzung.