In wenigen Wochen startet die Branche in die nächste Orderrunde. Unter erschwerten Bedingungen. Aber nicht ohne Chancen. Wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen.
Zwischen den Saisons hat man als Pressevertreter viele Gelegenheiten, bei Unternehmen aus Handel und Industrie spannende Hintergrundgespräche zu führen. So auch vergangene Woche. Der Weg führte ins Bergische Land und später weiter in die Pfalz. Jeder Termin – ob nun beim Händler, der die neue Sneakerwand der ANWR testet, oder beim Hersteller, der stolz seine erste Vorabkollektion präsentiert – gibt nicht nur Antworten auf aktuelle Fragen, sondern auch viele Ideen und Denkanstöße mit auf den Weg. Und immer bietet das persönliche Gespräch Raum, um auch Themen jenseits des Tagesgeschäfts zu diskutieren. Das kommt bei vielen anderen Gelegenheiten des Zusammentreffens zu kurz. Und ist doch von immenser Bedeutung. So sagte der Kollektionsverantwortliche eines Schuhherstellers im Dialog mit unserem Team: „Ich würde mir wünschen, es würde wieder mehr geredet – und auch besser zugehört.“ Ob nun der Digitalisierung geschuldet oder einem insgesamt zunehmenden Tempo, es sei deutlich feststellbar, dass sich viele Unternehmer weniger Zeit für den Austausch mit ihren Geschäftspartnern nehmen. Der Schuhspezialist brachte es auf den Punkt: „Wir geben uns in jeder Saison unglaublich viel Mühe, unsere Kollektion bis in kleinste Details zu durchdenken. Aber auf den Messen wird häufig nur auf die Abverkaufslisten geguckt. Und auf die Uhr.“ Auch Anbieter kleinerer Marken haben ihre liebe Not damit, dass der Handel seine Sortimente strafft und sich keinen Blick mehr nach rechts oder links gestattet – vom Reden und Zuhören mal ganz zu schweigen. Ein Händler bemängelte gegenüber unserer Redaktion vor kurzem, die Industrie ziehe nur noch „knallhart ihr Ding“ durch, man nehme sich nicht mehr die Zeit, vielleicht auch einmal eine neue Variante der Zusammenarbeit oder eine spannende Idee gemeinsam zu entwickeln. Und Verständnis für die Sorgen des Handels gebe es ohnehin nicht. Diese Entwicklung ist fatal! Einerseits dokumentiert sie, dass mächtig Druck auf dem Kessel ist. Jeder konzentriert sich auf seine Aufgaben und sucht nach den besten Lösungen. Bloß keine Fehler machen! Das kostet Kraft und Zeit. Gerade deshalb ist es jetzt aber umso wichtiger, sich zusammen zu tun, um auch gemeinsam voran zu kommen. Letztlich bringt ein Dialog immer Früchte hervor. Sei es die neue Marke im Sortiment, ein gemeinsames Projekt oder auch nur die Erkenntnis, mit den aktuellen Herausforderungen nicht allein da zu stehen. Auch dieses Ergebnis wäre schon eine Menge wert.