Der Spezialchemie-Konzern Huntsman, das spanische Unternehmen Simplicity Works und der Schuhmaschinenhersteller Desma haben in sechsjähriger Forschungsarbeit ein neues Schuhproduktionsverfahren entwickelt: 3D Bonding. Dabei handelt sich um einen automatisierten, kostengünstigen und effizienten Prozess, bei dem zweidimensionale Komponenten in einem einzigen Arbeitsschritt innerhalb weniger Sekunden zu einer nahtlosen, dreidimensionalen Form zusammengefügt werden. Die patentierte Technologie komme ganz ohne Steppen und Aufleisten aus, betonen die beteiligten Unternehmen. Die Vorteile lägen auf der Hand: Schneller und kostengünstiger als herkömmliche Produktionsmethoden sei es insbesondere für Hersteller, die wieder näher an ihren Märkten in Europa bzw. Nordamerika produzieren wollen, interessant.
So funktioniert 3D Bonding
Die 3D Bonding Technologie basiert auf einer innovativen 3D Form, die von Simplicity Works designt wurde. Kombiniert wird diese mit einem neu entwickelten Einspritzmaterial von Huntsman Polyurethanes und einem Direktanspritz-Rundläufer von Desma. Im ersten Schritt werden dabei – ähnlich wie bei einem Puzzle – sämtliche Komponenten des Schaftes an den vorgesehenen Plätzen der Form eingelegt. Die einzelnen Plätze sind dabei durch dünne Kanäle miteinander vernetzt. Nach dem Schließen der Form werden die einzelnen Teile durch einen einzigen Schuss mit Polyurethan verbunden. Resultat ist ein Schaft, der von einem flexiblen Gerüst aus Polyurethan zusammengehalten wird. Dank intensiver Forschungsarbeit von Huntsman und Simplicity Works können Farbe und Textur des Polyurethan-Gerüsts individuell gestaltet werden.
Chance für Schuhindustrie in Europa
Nach Angaben der Partner macht die 3D Bonding Technologie die Schuhproduktion außerhalb von Niedriglohnländern wettbewerbsfähiger. Der gesamte Fertigungsprozess sei weniger arbeitsintensiv und damit kostensparend. Auch der Materialeinsatz sei effizienter. Darüber hinaus böten die Schuhe einen höheren Tragekomfort, da sie ganz ohne Nähte auskommen. „In den vergangenen Jahren haben die beteiligten Unternehmen ihr Know-how geteilt, um eine Innovation zu entwickeln, die den Schuhsektor massiv verändern kann“, erklärte Adrian Hernandez, CEO von Simplicity Works und Entwickler der 3D Bonding Technologie. Das Timing könne nicht besser sein. „Aktuell werden rund 80% der europäischen Schuhimporte in Niedriglohnländern hergestellt. Allerdings steigen die Arbeitskosten auch in diesen Ländern stetig, so dass viele Unternehmen nach Möglichkeiten suchen, wieder verstärkt in Europa bzw. Nordamerika zu produzieren“, so Hernandez weiter. Die 3D Bonding Technologie könne genau dies leisten, ist der Spanier überzeugt.