Klevant Groen ist Expertin für Nachhaltigkeit. Sie arbeitet für Fashion For Good, einer in Amsterdam ansässigen Initiative. Sie setzt auf die Innovationen agil arbeitender Start-ups, die auf die Lösung speziellerer Industrie-Probleme fokussieren – etwa die salzfreie Lagerung von Häuten in der Lederproduktion. Fashion For Good vermittelt diese Konzepte an internationale Unternehmen, die sich an das Projekt angeschlossen haben. Darunter befinden sich Branchengrößen wie Adidas, Zalando oder die Kering Group. „Unserer Meinung nach bringt es gar nichts, wenn jeder sein Wissen für sich behält“, sagt Klevant Groen. „Wir stehen vor komplexen Fragen, also brauchen wir komplexe Antworten – und viele kluge Köpfe.“ Silodenken und die Anhäufung von Herrschaftswissen sind für Anne-Ro Klevant Groen die Feinde tiefgreifender Veränderungsprozesse. Schwarmintelligenz statt Solo-Performance, Offenheit statt Geheimniskrämerei – so könnte man das Prinzip von Fashion For Good zusammenfassen.
Und noch ein weiterer Begriff kommt an dieser Stelle ins Spiel: das Netzwerk. Per Definition eine mehr oder weniger organisierte Gruppe von Personen mit gleichen Interessen. Sie unterstützen sich gegenseitig, indem sie einander zum Beispiel mit Informationen versorgen. Nicht nur Fashion For Good funktioniert nach diesem Konzept. Auch die 2006 gegründete Initative CADS versteht sich als Kooperation innerhalb der Schuhindustrie, deren Mitglieder gemeinsam und in offenem Dialog an Aktionsplänen, Standards und Maßnahmenkatalogen arbeiten. Schließlich hat die Schuhbranche ihre ganz eigenen Anforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit – Stichwort Chrom VI.
Ja, das alles wirkt ziemlich gut. Vielleicht sogar zu gut? Netzwerk, das klingt nach lockerer Verbindung, Flexibilität, Unverbindlichkeit. Dahinter aber steckt ein nicht zu unterschätzender, vielschichtiger Apparat. Dieser kommt nur dann ins Laufen, wenn alle Akteure bereit sind, transparent zu arbeiten, sich regelmäßig zu treffen und Geld zu investieren. Mehr Nachhaltigkeit heißt immer mehr Aufwand – und mehr Kosten. Dennoch befinden sich Initiativen wie Fashion For Good oder CADS auf dem richtigen Weg. Weil sie angesichts der enormen Herausforderungen konkret werden und mit gutem Beispiel vorangehen. Ein konventionelles Unternehmen von jetzt auf gleich ’grün‘ aufzustellen ist unmöglich. Aber es kann nach und nach grüner werden. Wenn es Veränderungswillen zeigt – und sich nicht verschanzt.