Das Staunen war groß. Statt der gewohnt eher pragmatischen Anmutung warteten die Messehallen auf dem ANWR-Campus am 29. November mit einer innovativen und kreativen Gestaltung auf: Europaletten statt Lochwänden. Foodtrucks statt Kantinenessen. Start-up-Ambiente anstelle von gewohntem Messe-Feeling. Mehr als 40 Anbieter zeigten, mit welchen technischen Tools sie den Handel künftig unterstützen wollen. Kurzvorträge auf zwei Bühnen lieferten kompakte Infos zu zahlreichen Themen, vom Datenmanagement bis hin zu RFID. Die immerhin 800 Gäste aus Handel, Industrie und dem Dienstleistungs-bereich hatten beim Zukunftsforum in Mainhausen Gelegenheit einzutauchen in das, was sich die Verbundgruppe als Szenarien und Möglichkeiten für ihre Mitglieder vorstellt. Die ANWR demonstrierte eindrucksvoll, mit welchen Themen sie sich im Sinne ihrer Mitglieder beschäftigt. Die Zukunft wurde in Mainhausen greifbar.
Dass das Event viel mehr sein sollte als ein schickes Get-together, machte der ANWR-Vorstandsvorsitzende Günter Althaus schon in seiner Begrüßungsrede deutlich. Er forderte einmal mehr, dass der stationäre Schuhhandel sich schon heute mit den Themen von Morgen beschäftigen muss. Dass Digitalisierung mehr ist als eine Homepage. Und Althaus unterstrich, dass die Verbundgruppe künftig eine andere Rolle spielen müsse. Nicht allein Einkaufsgenossenschaft soll sie sein, sondern ein genossenschaftliches Datennetzwerk werden, in dem alle Händler von verfügbaren Informationen profitieren und gemeinsam dem Kunden das größtmögliche Angebot präsentieren können. Dafür muss allerdings das einzelne Unternehmen diese Informationen in das Netzwerk einbringen – Stichwort Sharing Data. Und das weckt eine Ur-Angst, die unter den Mitgliedern der ANWR immer noch sehr verbreitet scheint: Die Zentrale als ’Datenkrake‘ – ein Horrorszenario für manche Händler. Immer noch.
Wohl auch deshalb ging Althaus beim Zukunftsforum noch Schritt weiter und zeigte auf, dass Veränderung keineswegs nur auf Ebene der Verbundgruppe alternativlos ist, sondern dass jedes einzelne Unternehmen seine Strukturen, Hierarchien und Strategien völlig neu denken und justieren muss. Für Herrschaftswissen ist in der neuen Welt des Einzelhandels kein Platz. Das haben wir immer schon so gemacht? Schnee von gestern. Schnelle Entscheidungen, Agilität und neue, flexible Formen der Zusammenarbeit lösen althergebrachte Systeme ab. Das rührt ebenfalls an fundamentale Gefühle. Alles infrage stellen, was bisher war – das tut weh.
Gelungen ist das Zukunftsforum dann, wenn mehr bleibt als Staunen. Der allseitigen Begeisterung nach einem spannenden Tag mit Start-up-Atmosphäre müssen konkrete Schritte folgen. Ängste müssen über Bord geworfen und vielleicht auch hier und da Schmerzen in Kauf genommen werden. Den Mutigen gehört die Zukunft.