Im Einzelhandel in Deutschland gibt es sie noch, Städte, in denen die Handelsumsätze das Mietswachstum übersteigen. Zu diesen Städten gehören laut JLL München und Frankfurt am Main. Doch in vielen Einzelhandelsstandorten Deutschlands sehe die Lage anders aus. Denn vielerorts seien die Mieten in den vergangenen zehn Jahren deutlich stärker gestiegen als die Handelsumsätze. Mit der Konsequenz daraus, das einige Händler Geschäfte in exklusiven Lagen aufgeben, wenn sie ihre Flächen nicht verkleinern oder zu günstigeren Mieten abschließen können. Doch die Händler in München und Frankfurt am Main dürfen sich nach Ansicht von Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany, nicht in Sicherheit wiegen, sondern müssen die Herausforderungen durch Multi-Channel-Handel und die veränderten Konsumentenerwartungen offensiv angehen, um auch in den kommenden Jahren noch erfolgreich zu sein. Das könne kompliziert werden, wenn kaum Flächen in geeigneter Größe zur Verfügung stünden. Schließlich sorge der Mangel bei gleichzeitiger Nachfrage für hohe Preise, die es jungen und alternativen Konzepten erschweren, auf den Markt zu kommen. „Gerade in München sehen wir hier eine natürliche Auslese durch die hohe Mietbelastung. Erfolgreiche Konzepte, die auf eine hohe Frequenz setzen, wandern nach innen. Geschäfte, die ihre Kundschaft gezielt ansprechen und jene, die eine exklusive Kernkundschaft haben, siedeln sich in den umliegenden Lagen an“, erklärt Gunnar Gombert, Niederlassungsleiter JLL München.
Nach Angaben des Immobiliendienstleisters JLL seien in München derzeit 14 Geschäfte mit einer Gesamtfläche von 6.000 qm verfügbar – die Hälfte davon mit 250qm oder weniger. Nur ein verfügbares Geschäft habe mehr als 2.000qm. Kurzfristig seien jedoch drei Flächen hinzugekommen.
Münchener Einzelhandel: Handelsumsatz befeuert Flächennachfrage
Eine Branche, die besonders von den Veränderungen im Münchener Einzelhandel betroffen sei, seien die Textilhändler. Gut drei Viertel der verfügbaren Flächen werden oder wurden laut JLL bislang von den Vertretern dieser Sparte genutzt. „Hier zeigt sich die Verunsicherung einer Branche, die auch bundesweit derzeit wie kaum eine andere von der Konkurrenz durch das Internet betroffen ist“, sagt Wichner. Aktuell werden 37% aller Geschäfte in den Münchener Toplagen durch Textilhändler genutzt mit einer Fläche von mehr als 77.000qm.