“Der Handel, wie wir ihn in den vergangenen Jahrzehnten gekannt haben, gibt es nicht mehr. Diese Zeiten sind vorbei!” Laut Prof. Dr. Matthias Freise von der Hochschule Reutlingen hat sich der Handel in der Vergangenheit in erster Linie als Warenverteiler verstanden. Innovation habe überwiegend nur im Bereich der Prozessoptimierung stattgefunden. Das Resultat: viel gleiche Ware auf immer mehr Flächen.
Die Digitalisierung habe diese Ära beendet, so Prof. Freise. “Die technische Weiterentwicklung ist nicht aufzuhalten. Eine Anpassung ist alternativlos. Wenn Sie das nicht tun, sind sie morgen tot”, so die drastische Einschätzung des Experten. Erhebliche Veränderungen in den Prozessen, der Organisation und der Mentalität seien notwendig. Nur so könne sich der Handel auf die Veränderungen der kommenden Jahre einstellen.
Wandel der Einkaufsstätten
Der Strukturwandel der vergangenen Jahre ist nach Ansicht von Dr. Ulla Ertelt von HML Modemarketing jedoch nur zum Teil auf den Onlinehandel zurückzuführen. “Ein wesentlicher Faktor ist die Vertikalisierung. Diese hat zu einer Expansion der Verkaufsfläche geführt, ohne das es gleichzeitig zu einer signifikanten Erhöhung des Marktvolumens gekommen ist.”
Eine Analyse der Verteilung der Umsatzanteile in den Jahren 2005 und 2016 zeige, dass der Umsatz im Fachhandel zurückgehe, während Vertikale und Online gewinnen. “Es hat in den vergangenen Jahren eine starke Umverteilung zwischen den Einkaufsstätten stattgefunden”, so das Fazit von Dr. Ertelt. Um die Kunden künftig wieder verstärkt für sich zu gewinnen, müsse sich der Modehandel neu erfinden. “Die Kunden wollen Inspiration – und keine Warenläger. Das zentrale Thema der Zukunft lautet: Weniger Mainstream, mehr Differenzierung.”