Allein heute arbeiten in Deutschland rund 80.000 syrische Fachkräfte in Berufen mit Fachkräftemangel, heißt es in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Vor allem in der Krankenpflege, der Kraftfahrzeugtechnik oder Bauelektrik gebe es nicht genüged Bewerbende auf offene Stellen. Die syrischen Fachkräfte tragen wesentlich dazu bei, die Fachkräftelücke auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu verringern, so das IW.
Aktuell sind aufgrund des Sturzes des Assad-Regimes intensive Diskussionen über die mögliche Rückkehr der knapp eine Million in Deutschland lebenden Syrer entbrannt. „Erwerbstätige Syrer sind eine Stütze für den deutschen Arbeitsmarkt“, sagt IW-Experte Fabian Semsarha. „Umso wichtiger ist es, dass sie eine langfristige verlässliche Bleibeperspektive bekommen.“ Klare politische Rahmenbedingungen seien notwendig, um sowohl Unternehmen als auch den Beschäftigten langfristige Planungssicherheit zu gewährleisten.
Rund 4,8 Millionen Zuwanderer bis 2040
Mit Blick auf die Zukunft erwartet das IW rund 4,8 Millionen Zuwanderer im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 66 Jahren bis zum Jahr 2040. Ohne diese Zuwanderung würde die Bevölkerung in der selben Altersgruppe in dem Zeitraum um 14% zurückgehen, so seien es nur 6%. In einer Zeit, in der immer mehr „Babyboomer“ das Rentenalter erreichen und aus dem Arbeitsleben ausscheiden, käme es deshalb darauf an, die dadurch entstehenden Lücken zu schließen. 4,8 Millionen Zuwanderer könnten diese laut IW potenziell verkleinern und die negativen Folgen des Fachkräftemangels abschwächen. Die Politik sei deswegen dazu aufgerufen, in den kommenden Jahre genügenden qualifizierten Personen im erwerbsfähigen Alter die Einreise nach Deutschland zu ermöglichen. Hierfür müsse Deutschland als Einwanderungsland noch attraktiver werden. „Dabei geht es nicht nur darum, die Zuwanderung zu fördern, sondern auch die Fachkräfte aus dem Ausland langfristig im Land zu halten“, sagt Wido Geis-Thöne, Migrationsexperte des IW. Ohne diese müssten die Steuern und Abgaben deutlich erhöht oder die staatlichen Leistungen gesenkt werden. Nur so könne die Tragfähigkeit der öffentlichen Haushalte erhalten bleiben.