Gleiche Preise für alle Bürger. Mit diesem Versprechen hat Brüssel die EU-Verordnung 2018/303 vor einem Monat in Kraft gesetzt. Aus deutscher Sicht entpuppt sich das ’Geoblocking‘-Verbot allerdings eher als Papiertiger. In der Theorie sollen Verbraucher bei Online-Shops aus dem EU-Ausland seit dem 3. Dezember genauso günstig einkaufen können wie heimische Konsumenten. Nach einer Analyse des Verbraucherforums Mydealz profitieren deutsche Verbraucher in der Praxis aber kaum von der neuen EU-Regel. Der Grund sei simpel: Zwar seien sechs von zehn Produkten in Ländern wie Frankreich, Österreich oder Italien günstiger als in Deutschland. Hohe Versandkosten würden den Preisvorteil aber meist aufsaugen.
Die Stichprobe, die das Verbraucherforum Mydealz Anfang Januar für den deutschen, britischen, italienischen, niederländischen, österreichischen, polnischen und spanischen Markt ermittelt hat, kommt zu einem ambivalenten Ergebnis: Tatsächlich hätten die Tester von Mydealz 318 der 500 analysierten Produkte (63,6%) günstiger im Ausland als bei einem deutschen Online-Shop bestellen können. In Deutschland waren nur 94 Produkte (18,8%) preiswerter als in anderen EU-Staaten. Mit gerade einmal 8,67% fiel der Preisvorteil im Mittel allerdings eher dürftig aus. In absoluten Zahlen betrug er lediglich 9,92 Euro – eine Ersparnis, die durch die bei Auslandsbestellungen generell höheren Versandkosten schnell aufgesaugt wird.
Versand und Retouren verteuern viele Auslandsschnäppchen
Für den Versand nach Deutschland berechnen ausländische Internethändler Versandkosten, die höher ausfallen als hierzulande. Mit bis zu zehn Euro Zusatzkosten für den Versand sollten Verbraucher rechnen, wenn sie im Ausland bestellen. Die Kosten für Retouren kommen bei einem Umtausch hinzu, denn diese müssen – rein rechtlich gesehen – auch in Deutschland vom Kunden getragen werden. Vor diesem Hintergrund entpuppten sich viele der vermeintlichen Auslands-Schnäppchen in Wirklichkeit als zu teuer für deutsche Verbraucher: Von den 318 Produkten, die bei der von Mydealz durchgeführten Stichprobe im Ausland zunächst rechnerisch günstiger waren als bei deutschen Händlern, wiesen nur 108 Produkte eine Ersparnis von mehr als zehn Euro auf. Gerade einmal jedes Fünfte der 500 analysierten Produkte (21,6%) hätten die Tester von Mydealz folglich günstiger bei einem deutschen als bei einem europäischen Online-Shop bestellen können. 26 weitere Produkte wiesen eine Ersparnis im Graubereich zwischen 7,50 und zehn Euro auf. Und bei 151 Produkten betrug der Preisvorteil weniger als fünf Euro.
Um nicht in die Versandkostenfalle zu tappen, bleiben deutschen Verbrauchern auch einen Monat nach Inkrafttreten der EU-Verordnung 2018/303 nach Ansicht von Mydealz so nur drei Optionen: Sie können entweder bei einem deutschen Händler einkaufen. Sie können so viele Produkte im Ausland bestellen, dass sich der Auslandskauf letztlich rechnet. Oder sie halten gezielt Ausschau nach Produkten, die auch für sich genommen, eine Ersparnis von mehr als zehn Euro aufweisen.
Produkte aus 17 von 25 Warengruppen sind im EU-Ausland selten günstiger
Wer plane, ein Produkt aus einer anderen als den acht oben genannten Warengruppen bei einem ausländischen Onlinehändler zu kaufen, sollte nach Ansicht von Mydealz genau hinsehen: Sparen können Verbraucher hierbei in den wenigsten Fällen. Zwar verkauften ausländische Händler auch Produkte wie Parfüm (17/20 Produkte), Schuhe, Taschen und Sportartikel (alle: 14/20 Produkte) sowie Haustierbedarf, Kindermode, Drogerie- und HiFi-Artikel (alle: 13/20 Produkte) oft zu niedrigeren Preisen als ihre deutschen Pendants. Nur selten bezifferte sich der Preisvorteil bei der Stichprobe aber auf mehr als zehn Euro.
Darüber hinaus werde der Verbraucher vor ein neues Problem gestellt: der Verfügbarkeit der Ware. Innerhalb der Europäischen Union unterscheiden sich die Konsumgewohnheiten und mit ihnen das Angebot von Land zu Land. In keinem der sieben anderen Staaten konnten die Tester von Mydealz alle 500 der für die Stichprobe zufällig ausgewählten Produkte finden. Auf die größten ’Lücken im Sortiment‘ stießen die Tester bei polnischen Internethändlern: Sie führten nur 301 der 500 Produkte (60,2%). Am stärksten glich das Angebot österreichischer Internethändler dem ihrer deutschen Pendants. Sie boten 466 der 500 Produkte (93,2%) an und lagen damit vor Internethändlern aus den Niederlanden (446 Produkte, 89,2%), Italien (444 Produkte, 88,8%), Spanien (425 Produkte, 85,0%), Frankreich (425 Produkte, 85,0%) und Großbritannien (418 Produkte, 83,6%).