In den letzten Jahren war es ja so eine Sache mit dem Winter. Zwar gab es zwischendurch immer mal ein, zwei kalte Tage, doch frostig wurde es – wenn überhaupt – meist erst ab Januar. Die Herbst/Wintersaison 2024/25 war da keine Ausnahme. Und wenn es erst Winter wird, wenn man den Frühling schon ahnt, ist der Bedarf nach warmen Stiefeln, Stiefeletten und gefütterten Boots nicht mehr so zwingend. „Die Kunden denken dann, dass es die Stiefel vom Vorjahr für die kurze Zeit noch mal tun“, sagt Christopher Sjut vom Meldorfer Schuhhaus Sjut, sechs Filialen in Schleswig-Holstein. Dennoch haben der Kälteeinbruch im Januar sowie gezielte Preismaßnahmen den nötigen Impuls gesetzt, „damit das Winterlager beginnt, sich zu leeren“, sagt Mario Leifer, Leifer Schuhmode, sechs Schuhfachgeschäfte in Thüringen. Speziell „warm Gefüttertes und Funktionsware von Remonte, Tamaris, Skechers, Rieker oder Andrea Conti fließen jetzt noch gut ab“. Natürlich macht auch die schlechte Verbraucherstimmung dem Schuhhandel zu schaffen. „Da niemand weiß, was nach den Wahlen passiert, sind die Verbraucher verunsichert“, sagt Friedrich Werdich, Schuhhäuser Werdich mit 35 Filialen in Süddeutschland, „Lebensfreude kann da nicht so recht aufkommen“. Vor diesem Hintergrund war der Handel je nach Standort dann doch „einigermaßen zufrieden“ bis „zufrieden“. Als herausfordernd wurde das streckenweise „schleppende“ bis „zähe“ Geschäft dennoch empfunden; und auch wer zu den Zufriedenen gehört, dürfte über das Vorjahr kaum hinauskommen. Richtig Schwung in die Läden brachte auch der Black Friday nicht, der für eine gesunde Saisondynamik ohnehin eher hinderlich sein dürfte. „Wir waren vom Saisonstart an zufrieden – bis zum Black Friday“, sagt Volker Dehling von Geyer Schuhe in Kronach, drei Filialen. „Es war deutlich zu spüren, dass die Leute geplante Käufe aufgeschoben haben – um dann am Black Friday im Online-Handel zuzuschlagen.“ Auch bei Schuh Marke, Hauenstein, 16 Filialen, enttäuschte die aus den USA importierte Rabattaktion. „Die Vorteilswoche, die wir dann immer veranstalten, ist diesmal 25% hinter dem Vorjahr zurückgeblieben“, so Mike Marke. Während die Kunden früher die Rabatte genutzt haben, um höherpreisige Produkte wie etwa Panama Jack zu kaufen, blieb dieser Effekt diesmal aus. „Wir haben nun mal eine extreme Kaufzurückhaltung“, konstatiert Marke. Andererseits: „Die Erwartungshaltung der Kunden ist da, sie sprechen uns schon im Vorfeld auf den Black Friday an“, so Marko Stark, Schuhhaus Stark in Nördlingen; und da inzwischen alle Branchen mitmachen, könne man nicht ausscheren. Dennoch gibt es Händler, die genau das tun. „Wir ignorieren den Black Friday“, sagt beispielsweise Eva-Maria Dettinger von Schuhmode am Leo, Pforzheim, mit Filiale in Schemberg. „Wir sitzen den Black Friday aus“, meldet auch Christopher Sjut, der zudem an die Lieferanten appelliert, ihre teils einwöchigen Rabattaktionen in den eigenen Stores „zu überdenken, denn da wir schon die starke Wetterabhängigkeit haben, müssen wir uns fragen: Wann ist der richtige Zeitpunkt für welche Schuhe – und wann für Sale?“