Mein Sohn ist elf Jahre alt, er befindet sich in der anspruchsvollen Phase zwischen Kindheit und Jugend. Nicht mehr klein, aber auch noch nicht richtig groß. Er ist täglich konfrontiert mit unendlich vielen Einflüssen in der Schule, im Fußballverein und durch Freunde. Was ihn zunehmend interessiert, ist die Art seines Auftritts. Er nimmt wahr, wie andere sich kleiden und stylen und orientiert sich daran. Immer stärker haben schwarze T-Shirts und dunkle Skinny- Jeans Raum in seinem Kleiderschrank eingenommen. Er hat konkrete Vorstellungen davon, wie seine Frisur aussehen soll. Und bei den Marken, die er gern trägt, gibt es eigentlich nur zwei Favoriten. Einer sitzt in Herzogenaurach, der andere in Beaverton, Oregon. Danach kommt lange nichts. Vielleicht noch ein cooles Lifestyle-Brand aus der Skater-Szene.
Das war’s.
Bei den Schuhmodellen, die er trägt, ist er zunehmend wählerisch. Dafür wird auch gern gespart oder die Belohnung fürs ordentliche Zeugnis eingesetzt. Kompromisse würde er in diesem Bereich nicht machen. Ihn in ein klassisches Schuhgeschäft zu schleifen, wäre für alle Beteiligten Stress ohne Ende. Wenn er überhaupt shoppen will, dann bei einschlägigen Running- oder Sportfilialisten. Oder online. Und das, obwohl er nun wirklich in der Schuhbranche groß geworden ist – vom Lauflerner bis zum WMS-System. So ist er, der kleine Kunde.
Was das allgemeine Marktgeschehen betrifft, liegt mein Sohn voll im Trend. Schaut man auf das Kinderschuh-Ranking, wird schnell klar, dass der Kinderschuhbereich zunehmend von Sportmarken erobert wird. Das bestätigen auch die Teilnehmer am Roundtable der Kinderschuhhersteller, die wir im Juni bei uns begrüßen durften. Als Herausforderungen identifizieren sie neben der wachsenden Konkurrenz durch Adidas, Nike & Co. allerdings auch das zunehmende Händlersterben sowie den vielfach fehlenden Mut im Handel, sich dem Kinderschuhthema mit Kraft und neuen Ideen zuzuwenden. Wenn schon die größeren Kids dem Handel verloren gehen, so das Argument, müssten doch zumindest die kleinen optimal betreut werden – was die Chance berge, sie später als Kunden wieder neu zu begrüßen. Der Handel indes kritisiert die Industrie wegen mangelndem Willen zu echten Innovationen. Viele Kollektionen würden sich zu sehr gleichen, argumentiert das Verkaufspersonal. Und Unternehmer wünschen sich von den Lieferanten mutige Modelle, mit denen man auch gegen den allgemeinen Sneakertrend anschwimmen kann.
Es dreht sich, das Kinderkarussel. Immer schneller. Vielleicht sind die Gondeln hier und da aus dem Takt. Es wird dringend Zeit, dass sich alle Beteiligten dem neuen Tempo anpassen. Auch wenn Kids wie mein Sohn derzeit keine Schuhe im Schuhgeschäft kaufen. Vielleicht wird das ja später wieder anders.