Sommer 2018. Eine Zeitenwende im deutschen Einzelhandel bahnt sich an. Kommt die Deutsche Warenhaus AG? Die Fusion von Karstadt und Galeria Kaufhof scheint nur noch eine Frage der Zeit. Der kanadische Kaufhof-Eigentümer Hudson’s Bay Company (HBC) und Karstadt-Inhaber René Benko verhandeln über ein Gemeinschaftsunternehmen, dessen operative Leitung in den Händen der Karstadt-Manager liegen soll. Kommt der Deal zustande, wäre der österreichische Selfmade-Milliardär Benko am Ziel. Mehrfach hat er bereits eine Fusion der beiden Unternehmen angestrebt. Erst vor wenigen Monaten hat er noch 3 Mrd. Euro für Kaufhof und ein dazugehöriges Immobilienpaket geboten. Ohne Erfolg, HBC lehnte ab. Stets betonten die Kanadier die große Bedeutung ihres Investments und beteuerten, an Kaufhof festhalten zu wollen. Vergangenheit. Heute zeigen sich die Verantwortlichen in Toronto verhandlungsbereit. Eher pflichtschuldig weisen sie in einem offiziellen Statement noch auf das mögliche Scheitern der Gespräche hin. Doch diesmal scheint die Motivation bei allen Beteiligten zu passen.
Für HBC bietet die Offerte von René Benko die Chance, das kostspielige und riskante Europa-Abenteuer zu beenden. Von den hochtrabenden Zielen, die unmittelbar nach der Übernahme des Traditionshauses mit Sitz in Köln verkündet wurden, ist kaum etwas übrig geblieben. Statt Investitionen und Aufschwung gab es Chaos und Stillstand. Bezeichnend: Von den Verantwortlichen, die die Kaufhof- Übernahme vom Metro-Konzern im Jahr 2015 betrieben, ist heute niemand mehr an Bord. Rettet Karstadt also Kaufhof? So einfach ist es nicht. Eine mögliche Allianz sollte mit einer gehörigen Portion Skepsis begleitet werden. Der Handelsexperte Gerrit Heinemann brachte es in einem Interview auf den Punkt: „Zwei Kranke machen keinen Gesunden.“ Generell sei das Kaufhaus als Einkaufsstätte nicht mehr zeitgemäß und habe daher keine Zukunft. „Die Menschen kaufen heute bei Primark oder Zara oder online ein.“
Damit ist der größte Wettbewerber von Karstadt/Kaufhof genannt: Amazon und Zalando sind die Warenhäuser des 21. Jahrhunderts. Um gegen die Online-Riesen zu bestehen, wird auch einem möglichen Joint Venture eine große Auswahl nicht genügen. Egal, wie viel Produkte den Kunden geboten werden – im Internet sind es immer mehr. Eine echte Überlebenschance dürfte das Warenhaus in Deutschland langfristig nur haben, wenn es endlich gelingt, auch jüngere Zielgruppen anzusprechen. Und zugleich in Einkaufserlebnisse zu investieren – und es nicht nur bei Lippenbekenntnissen zu belassen.