Gratulation. Dr. Stephan Fanderl hat das scheinbar Unmögliche möglich gemacht. Karstadt ist zurück in den schwarzen Zahlen. Erstmals seit 2006. Nicht nur für den Karstadt-Chef ein Grund zum Feiern. Schließlich liegen hinter dem Warenhaus-Konzern mit über 135-jähriger Geschichte harte Zeiten. Das vergangene Jahrzehnt war für Management und Mitarbeiter einer emotionalen Achterbahnfahrt. So führte 2009 ein schmerzhafter Gang zum Amtsgericht in Essen. Karstadt war insolvent. Die großen Hoffnungen, die die anschließende Übernahme durch Investor Nicolas Berggruen bei vielen im Karstadt-Umfeld weckten, verkehrten sich schnell ins Gegenteil. Die Enttäuschung war groß. Wieder ging es nicht nach vorne. Am Ende der Ära Berggruen schien sogar die Zerschlagung des Unternehmens nah. Ruhe war Karstadt auch nach dem Verkauf an den österreichischen Selfmade-Milliardär René Benko im Sommer 2014 nicht vergönnt. Der Kampf ums Überleben ging weiter. Filialschließungen, Personalabbau, Untervermietung von Flächen – Karstadt befand sich auf einem steinigen Weg. Es hat sich gelohnt. Das Resultat ist Licht am Ende des Tunnels.
„Wir haben damit im dritten Jahr in Folge unser Versprechen erfüllt“, erklärte ein nachvollziehbar stolzer Karstadt-CEO Dr. Stephan Fanderl Ende März. „Im ersten Sanierungsjahr hatten wir ein Plus in der Ladenkasse, im zweiten ein Plus beim Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit und im abgelaufenen Geschäftsjahr einen positiven Jahresüberschuss.“ Dauerhaft über den Berg ist Karstadt damit sicher nicht – aber die Richtung stimmt. Davon kann man in Köln derzeit nur träumen.
Galeria Kaufhof steckt weiterhin tief in den roten Zahlen fest. Dabei schien es noch vor einigen Jahren nahezu undenkbar, dass Karstadt den Wettlauf mit dem Dauer-Rivalen für sich entscheiden könnte. Doch Kaufhof hat viel Boden verloren. In Köln herrschte nach der Übernahme durch die Hudson’s Bay Company Hochstimmung. Die Kanadier würde es schon richten, so lautete offenbar die allgemeine Überzeugung. Und der neue Eigentümer tat sein Übriges, um die Euphorie zu befeuern. Ein Investitionsprogramm in Milliarden-Höhe wurde angekündigt. Schuhe sollten dabei im Mittelpunkt stehen. Und in der Tat erschien der Start mit der modernisierten Fläche in der Düsseldorfer Filiale vielversprechend. Doch aus der bundesweit geplanten Offensive wurde nichts. Die Modernisierung des Unternehmens geriet ins Stocken, Schlagzeilen über Wechsel im Management und Probleme mit Kreditversicherern prägten stattdessen das Bild. Die konsequente Sanierung muss nun Roland Neuwald nachholen. Der ehemalige Real-Manager ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Ob er Kaufhof im Rennen um das deutschen Warenhaus Nummer 1 neuen Schub verleihen kann? Ausgerechnet das Beispiel Karstadt zeigt: Alles ist möglich.