Am 9. Oktober hatte der Aufsichtsrat der Intersport angekündigt, die bisherige Doppelspitze aus Klaus Jost und Kim Roether aufzulösen und einen dreiköpfigen Vorstand zu installieren, dessen Vorsitz Roether übertragen wurde. Begründet wurde die Entscheidung seitens des Aufsichtsrats mit dem Anspruch, die Verbundgruppe schneller und beweglicher machen zu wollen. Man habe beide Vorstände frühzeitig in den Veränderungsprozess eingebunden; im Juli soll es mit Vorstand und Geschäftsleitung erste Gespräche zur künftigen Organisation gegeben haben, heißt es in Medienberichten.
Sowohl was die Entscheidung als solche angeht, als auch die Art der Kommunikation, gibt es derzeit jedoch in Heilbronn heftige Kontroversen. Zudem wird offen darüber spekuliert, ob Jost seine Tätigkeit unter der Führung Roethers und mit beschnittenem Aufgabenbereich fortsetzen will. Zwar äußerte der Aufsichtsratsvorsitzende Knud Hansen in der aktuellen Ausgabe von SAZ Sport, Jost habe „das vollständige Vertrauen des Aufsichtsrates, seine Aufgabe erfolgreich weiterzuführen.“ Allgemein bekannt ist jedoch, dass die beiden bislang gleichberechtigten Vorstände nicht harmonierten.
Während Klaus Jost das ’Gesicht‘ der Intersport im Markt war und die Bereiche Einkauf, Marketing und Vertrieb verantwortete, agierte Roether eher im Hintergrund, zuständig für die Segmente Mitgliederbetreuung, IT, Logistik, Personal und Finanzen.
Forderung nach außerordentlicher Generalversammlung
Gemäß der neuen Konstellation soll Roether als Vorstandsvorsitzender neben der Mitgliederentwicklung auch die Bereiche Personal, Beteiligungen und Multichannel Retail verantworten. Außerdem soll er die strategische Ausrichtung der Intersport Österreich und der Voswinkel Gruppe lenken. Für Klaus Jost ist ein zweites Vorstandsressort mit den Bereichen Ware, Marketing und Vertrieb vorgesehen. Ein neues drittes Vorstandsressort mit dem Schwerpunkt Finanzen, Logistik und IT soll noch personell besetzt werden.
Erste Veränderungen in der Führungsetage der Intersport waren in den letzten Monaten bereits spürbar. Der Aufsichtsrat holte die Personalberatung Kienbaum ins Haus, die Konzepte für ein neues Management entwickelte. Wie die Zeitung ’Die Welt‘ am vergangenen Wochenende berichtete, gilt der Aufsichtsratsvorsitzende Knud Hansen als Unterstützer Kim Roethers. Gegenüber der Tageszeitung ’Heilbronner Stimme‘ vom 21. Oktober sprach Hansen jetzt von einem „Missverständnis“: Der Vorstand bleibe ein Kollektivorgan; Kim Roether sei nicht der Vorgesetzte von Klaus Jost. Nicht um Machtfülle für den Vorsitzenden, sondern um eine sinnvolle Aufgabenverteilung sei es gegangen, zitiert das Blatt den Aufsichtsratsvorsitzenden.
Umstritten ist der Führungsumbau indes auch unter den Mitgliedern. Inzwischen gibt es Forderungen nach einer außerordentlichen Generalversammlung. Diskutiert wird unter den Intersport-Händlern die Frage, ob der Aufsichtsrat überhaupt befugt war, einen so massiven Umbau der Führungsstruktur vorzunehmen. Auch gibt es Zweifel daran, dass satzungskonform gehandelt wurde. Die Satzung der Intersport sieht die Position eines Vorstandsvorsitzenden offenbar gar nicht vor. Auch eine juristische Auseinandersetzung zwischen Klaus Jost und der Intersport gilt als wahrscheinlich. Sorge gibt es zudem bei den Mitarbeitern, die nach dem Umbau der Führungsriege nun Veränderungen auch in den unteren Ebenen erwarten. Möglicherweise hat die neue Ausrichtung der Verbundgruppe auch Auswirkungen auf die Verbundgruppe Sabu, an der die Intersport beteiligt ist.