„Dass Klaus Jost das ihm entgegengebrachte Vertrauen, sein für die Intersport enorm wichtiges Vorstandsressort weiterzuführen, nicht angenommen hat, bedauern wir. Die grundsätzliche Meinungsverschiedenheit über die Neuausrichtung unserer Verbundgruppe war letztlich nicht mehr zu kitten“, erklärt der Intersport-Aufsichtsratsvorsitzende Knud Hansen.
Ein Nachfolger für Klaus Jost werde jetzt mit dem nötigen Augenmaß gesucht, teilt die Intersport mit. Ziel sei es, unter dem neuen Vorstand die Hauptfunktionen innerhalb des Vorstandsressorts Ware zu bündeln.
Unterdessen unterstreicht Knud Hansen sein Vertrauen in den neuen Vorstandsvorsitzenden Kim Roether: „Kim Roether hat in den vergangenen Jahren bei Intersport bereits eindrucksvoll bewiesen, dass er ein erfahrener Manager mit Weitblick und einer klaren Strategie für die Zukunft ist. Gemeinsam mit den Mitgliedern des Geschäftsleitungskreises aus Heilbronn wird er das Tagesgeschäft in den kommenden Wochen voranbringen und für einen erfolgreichen Start in die Orderrunde 2015 sorgen, dessen bin ich mir sicher.“
Klage gegen Vorstandsumbau?
Zuletzt war bekannt geworden, dass Klaus Jost gegen den Umbau der Intersport-Führungsriege rechtliche Schritte eingelegt hatte. Wie die Süddeutsche Zeitung am 3. November berichtete, hatte Jost beim Landgericht Heilbronn Klage eingereicht mit dem Ziel, den Aufsichtsratsbeschluss für die Umstrukturierung des Vorstands für nichtig zu erklären. Im Raum stehe dabei die Frage, ob der Aufsichtsrat gegen die Intersport-Satzung und genossenschaftliches Recht verstoßen hat. Offiziell bestätigt wurde dieser Schritt durch Jost nicht. Gegenüber schuhkurier bestätigte Jost allerdings die rechtliche Prüfung der Aufsichtsratsentscheidung. Brancheninsider hatten allerdings vor dem Hintergrund der Berichterstattung eine Trennung der Intersport von ihrem langjährigen Vorstand erwartet. Der Aufsichtsrat sei von den Medienberichten überrascht worden, teilt ein Sprecher der Intersport gegenüber schuhkurier mit. So habe Klaus Jost den Aufsichtsrat vor Kurzem noch um ein Angebot für eine kurzfristige Trennung gebeten. Dieses Angebot sei vom Aufsichtsrat unterbreitet worden, wurde aber von Jost abgelehnt. Danach seien offenbar die rechtlichen Schritte eingeleitet worden.
Am 3. Oktober startete die Roadshow des Intersport-Aufsichtsrats, um die Mitglieder an verschiedenen Standorten über die neue Führungsstruktur der Intersport zu informieren. In Heilbronn nahmen 60 Mitglieder an der Veranstaltung teil. Für die weiteren Termine in München und Hannover sind laut Intersport je 30 Unternehmen angemeldet, für Köln werden 50 Händler erwartet.
Kurz vor der ersten Informationsveranstaltung erfolgte die Trennung von Klaus Jost. Gegenüber schuhkurier erklärte Jost, dieser Schritt sei zuletzt absehbar gewesen. Zugleich unterstreicht er seinen Standpunkt: „Wenn man vom Trainer zum Co-Trainer gemacht wird, kann man das nicht einfach hinnehmen.“
Anfang Oktober hatte sich Intersport eine neue Organisationsstruktur mit drei Vorstandsressorts gegeben. Der neu geschaffene Bereich eines Vorstandsvorsitzenden mit stärkerem Fokus auf die Mitgliederinteressen war Kim Roether angetragen worden. Den Bereich Ware, Marketing und Vertrieb sollte Klaus Jost als Vorstandsmitglied weiterführen. Ein drittes Vorstandsressort mit Verantwortung für Finanzen, Logistik und IT wurde neu geschaffen; dieses ist jedoch noch nicht besetzt.
Die Entscheidung des Aufsichtsrats, die mit einer Degradierung von Klaus Jost einherging, sorgte offenbar innerhalb der Intersport für erhebliche Unruhe. Diskutiert wurde auch die Frage einer außerordentlichen Generalversammlung, um strittige Fragen zum Thema, insbesondere die vielfach kritisierte Kommunikationsstrategie, zu klären. Auch nach dem Ausscheiden Josts ist eine aoGV möglich, sollte diese aus dem Mitgliederkreis mit der erforderlichen Stimmenzahl eingefordert werden. Wie der Sprecher der Intersport gegenüber schuhkurier erklärt, würde eine aoGV allerdings am Beschluss nichts ändern: „Der Aufsichtsrat kann einen Vorstand abberufen.“
Was die Modalitäten der Trennung vom langjährigen Vorstand Klaus Jost angeht, sind nun die Anwälte am Zug. Der Vertrag des ehemaligen Vorstands hat eine Laufzeit von weiteren drei Jahren.