Die Burberry Tasche für 300 Dollar, erstanden auf einem Markt an der New Yorker Canal Street – ein Schnäppchen für den Touristen. Schuhe von Nike, für ein paar Euro gekauft auf einem Basar in einer türkischen Touristenhochburg – die perfekte Abrundung des Urlaubs. Die ’fast echte‘ Rolex, erworben am Strand in Südspanien – was für ein tolles Souvenir. Der Markt der Produktpiraterie boomt – „und niemand hat das Gefühl, etwas Unrechtes zu tun“, so Michael Ellis von Interpol. Der Experte war lange Jahre bei Scotland Yard tätig und leitet heute vom französischen Lyon aus die Interpol-Einheit mit dem Schwerpunkt Plagiat-Bekämpfung.
Sein Team habe dabei die direkten Verbindungen zwischen den Produzenten von Fake-Produkten, Menschenhandel, Ausbeutung, Prostitution, Drogenhandel, organisiertem Verbrechen und internationalem Terrorismus aufgedeckt und nachgewiesen, so Ellis. So haben nach seinen Erkenntnissen die Attentäter, die im vergangenen Jahr die Redaktion der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo angriffen, zuvor ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von falschen Marken-Sportartikeln bestritten. Auch die Terroristen, die 1993 den ersten Anschlag auf das World Trade Center verübt hatten, lebten laut Ellis vom Verkauf gefälschter Marken-T-Shirts.
„2,5 % aller Waren, die international vertrieben werden, sind Plagiate“, so Ellis. Diese vergleichsweise kleine Zahl dürfe dabei nicht als harmlos angesehen werden: Sie entspreche einem Wert von 500 Mrd. Euro.
Bei den Verbrauchern sei die Tragweite des Themas nur wenig bekannt; Schuldbewusstsein gebe es selten und oft seien sogar regelrechte Sympathien mit den vermeintlich armen Straßenhändlern feststellbar, die ihren Lebensunterhalt mit preiswerten Uhren, Handtaschen, Sportschuhen oder T-Shirts bestreiten.
Es sei wichtiger denn je, als Händler den „Kreis des Vertrauens“ nicht zu verlassen, so der Interpol-Experte. Der Kauf von Ware bei bekannten Lieferanten und nicht in zwielichtigen Kanälen sei immer der bessere Weg. Zugleich mahnte Ellis an, auch den Verbraucher bei jeder Gelegenheit für das Thema zu sensibilisieren und illegale Verkäufe von gefälschter Ware nicht zu tolerieren, sondern umgehend anzuzeigen.