Mit „Hey, guys“ werden die Besucher begrüßt und mit „Schön, dass Ihr uns besucht. Viel Spaß!“ Es fühlt sich an wie unter Freunden. Neben einer vielfältigen Auswahl an Sportbekleidung finden sich in dem futuristisch gestalteten Store an einer der teuersten Einkaufsstraßen der Welt ein Testlabor für Sportler und Präsentationsflächen für diverse Prototypen. Alles zum Anfassen, Aus- und Anprobieren. Über die Nike-App ist die Verfügbarkeit eines jeden Produkts in Sekundenschnelle abrufbar. Und wer kaufen will, kann überall und jederzeit „auschecken“. Eine Kasse im klassischen Sinne gibt es ohnehin nicht. Nirgends eine Schlange, nirgends warten, nirgends ein Kunde, der hilflos oder gelangweilt aussieht. Alles easy.
Vor allem für sneakerbegeisterte Kids ist der Store im Herzen New Yorks ein unerschöpflicher Quell der Begeisterung und „einfach nur geil“. Sondereditionen der Nike Air Serie oder des Retro-Modells Cortez können hier in diversen Ausführungen bestaunt werden. Nahezu jeden Tag sieht der Laden anders aus. Man wünscht sich nur, man hätte sein Taschengeld besser gespart.
Was Nike hier geschaffen hat, ist ein ganz eigener Kosmos, der immer wieder neu aufgeladen wird mit Begehrlichkeit. Es ist ein Universum, unerreichbar für viele. Aber wer ihm mal nahe war, will immer wieder dabei sein. Man kann sehr wohl kritisch dazu stehen, wie die Marketing-Maschine des US-amerikanischen Sportgiganten pausenlos und millionenschwer befeuert wird. Andererseits muss ihr Erfolg anerkannt werden, es ist schwer, ihr zu widerstehen: Sie funktioniert, sie zielt auf das Herz vor allem junger Kunden. Eine ganze Generation von Kids sieht und fühlt sich als Community, definiert sich über ihre Handys, Klamottenmarken – und ihre Sneaker.
Der Schuhfachhandel partizipiert an diesem Phänomen kaum. Denn auch wer nicht in den Genuss kommt, im Nike Innovation Store in New York City zu shoppen, steuert andere Handelskonzepte an, um die begehrten Sneaker zu kaufen. Auch die Schuhindustrie wird durch den enormen Aufschlag, den Nike hier hinlegt, ins Herz getroffen.
Das findet Ausdruck im Ranking der Kinderschuhmarken: Bei den Großkindern liegt der Konzern aus Oregon erstmals auf Platz 1, bei den Kleinkindern belegt Nike immerhin schon Rang 4 – und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Es bedarf viel Kraft, Mut und Durchhaltevermögen, um diesem Sturm standzuhalten. Aufhalten wird man ihn nicht.