„Die letzte Zollsenkung für Einfuhren in die EU liegt über zehn Jahre zurück“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels e.V. (AVE), Jens Nagel. „Die WTO-Mitgliedsstaaten müssen zeigen, dass sie es ernst meinen mit der Liberalisierung des Welthandels, insbesondere zugunsten der Schwellen- und Entwicklungsländer.“ Darüber hinaus müssten auch die übrigen Punkte des 2013 in Bali beschlossenen Pakets für Handelserleichterungen konsequent umgesetzt werden. Dabei geht es u.a. um die Verbesserung von Zusammenarbeit und Informationsaustausch sowie die Unterstützung der Entwicklungsländer bei der Modernisierung ihrer Zollverfahren.
Die Förderung wirtschaftlich aufstrebender Länder durch Handelserleichterungen gehört zu den zentralen Verhandlungspaketen der Doha-Agenda von 2001. Erklärtes Ziel ist der Abbau von Zöllen und anderen Handelshemmnissen, um Entwicklungs- und Schwellenländer die Einfuhr von Waren in die Industrienationen zu erleichtern. Nennenswerte Fortschritte konnten jedoch seitdem auf WTO-Ebene nicht erzielt werden. Stattdessen sind zuletzt zunehmend bi- und plurilaterale Verhandlungen und Abkommen in den Vordergrund gerückt.
Der AVE sieht diese Entwicklung kritisch. „Bi- und plurilaterale Abkommen führen nicht nur dazu, dass die jeweils mächtigsten Staaten ihre Interessen durchsetzen, sondern auch zu einem Flickenteppich von Regelungen, der den internationalen Handel nicht vereinfacht, sondern erschwert“, so Nagel. „Auch deshalb wären erfolgreiche Abschlüsse bei der Ministerkonferenz ein wichtiges Signal für eine multilaterale Handelspolitik und eine Stärkung der WTO.“