René Benko ist am Ziel. Der Milliardär aus Wien ist künftig Alleinherrscher über Galeria Karstadt Kaufhof. Nur wenige Monate nach der Fusion der beiden großen Warenhäuser zieht sich die Hudson’s Bay Company wieder aus Deutschland zurück, so wie es Investoren bereits seit längerem lautstark gefordert hatten. Zum Abschied gab es noch rund eine Milliarde Euro von Benkos Signa Holding. Besonders bitter ist, dass ausgerechnet die verlustreiche niederländische Tochter HBC erhalten bleibt. Schlimmer noch: Im Zuge des jüngsten Deals gehören die insgesamt 15 holländischen Warenhäuser wieder komplett zu HBC. Zuvor waren sie Teil des Joint Ventures.
Das Engagement der Kanadier in Europa war insgesamt ein Desaster. Kaufhof steht heute schlechter da als noch 2015, als HBC das Traditionsunternehmen von der Metro übernahm. Unfassbar. Von den ursprünglich angekündigten Maßnahmen zur umfassenden Modernisierung der Flächen wurde wenig bis gar nichts umgesetzt. Im Gegenteil. Der Investitionsstau ist an vielen Standorten weiterhin gigantisch. Dieser Herausforderung darf sich in Zukunft das Management-Team um Dr. Stephan Fanderl widmen. Aus Sicht des CEO ist die vollständige Übernahme von Galeria Karstadt Kaufhof von Vorteil. Entscheidungen können schneller getroffen werden, die Wege werden kürzer, die Effektivität steigt. Über den Berg ist der Warenhaus-Konzern jedoch noch lange nicht. Die langfristige Zukunftssicherung bleibt eine Herkules-Aufgabe. Die wirtschaftlichen Probleme lösen sich nicht in Luft auf. Zwar hat Karstadt nach zwölf verlustreichen Jahren in Folge zuletzt erstmals wieder einen kleinen Gewinn erzielen können. Dagegen häuft Kaufhof weiter schmerzhafte Verluste in dreistelliger Millionenhöhe an.
Im Zuge der Fusion von Kaufhof und Karstadt wurde ein harter Sparkurs eingeschlagen. Insgesamt 2.600 Mitarbeiter müssen gehen. Betroffen sind die Kölner Kaufhof-Zentrale, aber auch die Standorte quer durch Deutschland. Seit wenigen Tagen steht fest, in welchem Ausmaß die einzelnen Standorte betroffen sein werden. Vielerorts reagierten die Beschäftigten auf die Ankündigungen mit Streiks.
Nur noch ein Mitarbeiter pro Etage – das soll die Antwort auf den stetig wachsenden Onlinehandel sein? Landauf, landab (und auch in dieser Ausgabe von schuhkurier) wird im Wettbewerb mit dem Onlinehandel für mehr Service und mehr Beratung geworben. Damit nicht genug: Das Personal auf der Fläche ist der Schlüssel für das Überleben des stationären Fachhandels. Bei Galeria Karstadt Kaufhof sieht man das offenbar anders. Abenteuerlich.