Die Corona-Pandemie hat auch die Prozesse bei Brands-360 vor neue Herausforderungen gestellt. Das ist gerade zu Beginn der neuen Orderrunde spürbar. Man habe aber, so Erwin Jaspers, früh und umfangreich reagiert. Dirk Pues und sein Team sind nach eigenen Angaben offen dafür, „unter Einhaltung aller Hygieneregeln die Kunden, soweit möglich, in ihren Unternehmen zu besuchen.“ So könne man die Kollektionsausrichtung, die laut Pues vollumfänglich neu entwickelt wurde, am besten präsentieren. „Dabei geht es um die Optik, aber auch um die Haptik. Wir sind mit der neuen Kollektion sehr in die Tiefe gegangen und haben sie facettenreich und innovativ gestaltet. Das möchten wir gern dem Handel näherbringen.“ Dazu werden zusätzlich oder alternativ zum persönlichen Gespräch auch virtuelle Treffen im Showroom im niederländischen Lijnden ermöglicht. Hier besteht die Möglichkeit, über eine eigens installierte Video-Anlage mit mehreren Kameras Schuhmodelle in 360 Grad-Präsentation zu zeigen. Zugleich seien, so Jaspers, Diskussionsrunden möglich, die neuesten technischen Standards gerecht werden. Darüber hinaus werden regionale Orderveranstaltungen in München und Hannover sowie die Messen von Verbundgruppen genutzt, um mit dem Handel in Kontakt zu treten. Feste Showrooms bestehen zudem in Breitscheid sowie in den Niederlanden und in Belgien. Eine Teilnahme an überregionalen Messen werde geprüft, so Pues.
Technische Weiterentwicklungen
Neben Innovationen in der Modellgestaltung setzt man bei Brands-360 auch auf technische Weiterentwicklungen. Ein Projekt-Team befasst sich mit der Einführung von 3D im Entwicklungsbereich. Auch wird, so Jaspers, eine 3D-Showroom-Umgebung geplant. „Ich erwarte, dass wir binnen 24 Monaten den Shift hin zu mehr Arbeiten auf Distanz vollzogen haben werden. Das wird physische Treffen nicht ersetzen, aber es wird mehr tägliche Interaktion in digitaler Form geben“, ist der Managing Director überzeugt. Man wolle sich rüsten für eine neue Ära – und zugleich traditionell im besten Sinne bleiben: „Es ist keine Frage von Entweder-oder, sondern eher eine Frage der Kombination“, erklärt Dirk Pues. „Digitale Möglichkeiten helfen uns derzeit. Aber sie werden physische Treffen nicht ersetzen. Wir sind in einem People Business. Und unser Produkt lebt davon, dass es angefasst und anprobiert wird.“
In die Kategorie Innovation gehört auch das Thema Nachhaltigkeit, dem man sich bei Brands-360 kraftvoll widmen will. Man spüre deutlich das Interesse im Handel und auch die Nachfrage, die direkt vom Endverbraucher komme, schildert Pues und betont zugleich: „Wir wollen hier keine Alibi-Funktion erfüllen, sondern ehrlich und glaubwürdig sein.“ Über die gesamte Kollektion habe man sich bemüht, nachhaltige Materialien und Komponenten einzusetzen. So sind beispielsweise alle Decksohlen aus Latex gefertigt, man setzt auf chromfrei gegerbtes Leder. Nicht alles sei aus dem Stand heraus möglich, man wolle sich dem Thema aber Schritt für Schritt nähern und – das sei besonders wichtig – kein Greenwashing betreiben. In einer Unisex-Gruppe der neuen Kollektion habe man sehr weitreichend auf nachhaltige Materialien gesetzt, von der Latex-Decksohle über Schnürsenkel aus Organic Cotton bis hin zur Laufsohle mit 30% recyceltem Gummi. Diesen Weg werde man weiter beschreiten, auch in Kooperation mit dem Lizenzgeber. G-Star habe angekündigt, das nachhaltigste Denim Brand auf dem Planeten werden zu wollen. Das dürfe gern auch für Schuhe gelten. „Jeans und Schuhe, das sind jedoch zwei verschiedene Dinge, und Rom wurde nicht über Nacht erbaut“, erklärt Erwin Jaspers. Insofern werde man nach und nach herkömmliche Komponenten durch nachhaltige Alternativen ersetzen.
Unterstützung für den stationären Handel
Pro Saison soll es eine umfangreiche G-Star-Schuhkollektion geben, wobei im Saisonverlauf kurzfristig Updates angeboten werden sollen. 80 bis 90% der Schuhe sollen in Portugal gefertigt werden. Mit POS-Paketen sowie individuellen Ideen für die Schaufenstergestaltung oder auch die Online-Präsentation von Schuhen will man seine Partner im Handel unterstützen. G-Star ist zudem bekannt für große crossmediale Kampagnen, unter anderem mit dem Fußballclub Borussia Dortmund oder Zalando.
Wie sieht man bei Brands-360 die Lage zum Start ins Jahr und in die neue Orderrunde? „Ich glaube, dass wir unter den aktuellen Gegebenheiten ganz sicher keine normale Saison erleben werden“, ist Pues überzeugt. „Ich denke aber auch, dass der Handel gut daran tun würde, wenn er einen Anteil von 10 bis 20 % seines Limits für neue Marken und Kollektionen bereithalten würde.“ Spätestens zur zweiten Jahreshälfte sei mit einer gewissen Normalisierung zu rechnen. Dann werde es auch wieder das Bedürfnis nach Mode und neuen, frischen Themen geben. „Es wird also darum gehen, den Konsumenten umso mehr ein attraktives Angebot zusammenzustellen. Was gut funktioniert hat, muss man nicht automatisch infrage stellen, aber doch zumindest neue Impulse dazu setzen.“ Man wolle den Kundinnen und Kunden spätestens in der H/W-Saison „begeistern“ – und vorher, in der Orderrunde, den Handel.