Fossil will im Fachhandel verstärkt Gas geben. Dabei möchte das amerikanische Label individuell auf die Bedürfnisse seiner Kunden eingehen. Sabrina Schömmer, Vertriebsleiterin Accessoires, und Thomas Sachse, Head of Brands, erläuterten im Gespräch mit LR ihre Strategie.
Fossil will „Drehung in die Sortimente bringen“
Für Herbst/Winter 2016/17 feilte Fossil nicht nur an seiner Kollektion, sondern vor allem auch an Konzepten für eine engere Zusammenarbeit mit dem Handel. Ein Ziel: “Wir wollen Drehung in die Sortimente bringen”, sagen Sabrina Schömmer und Thomas Sachse. Das Konzept umfasst mehrere Bausteine, um die Kunden individuell betreuen zu können.
Als eine Möglichkeit bietet Fossil ein “aktives Flächenmanagement” an. In einem ersten Schritt analysieren hier die Fachhändler – falls gewünscht auch zusammen mit ihren zuständigen Repräsentanten – die Renner- und Penner-Listen. Im Anschluss werde konsequent nachgeordert, um Lücken in den Sortimenten und damit verbundene “Leerverkäufe” zu vermeiden. Dafür biete sich das B2B-Portal mit integriertem Online-Shop an, da die Warenverfügbarkeit direkt angezeigt wird. Im zweiten Schritt wird die Partnerschaft auf Basis von EDI automatisiert. Vor kurzem startete Fossil bei den ersten elf Kunden, darunter vier Modehäusern, die Zusammenarbeit auf diesem Weg.
Parallel zur Konzeptentwicklung habe Fossil die Standardware für Herbst/Winter unter anderem durch den Einsatz vegetabil gegerbter Leder aufgewertet, damit den Kunden rundherum attraktive NOS-Programme geboten werden können. Außerdem wichtig zu wissen: Die Programme für Fachhandel und Konzerne unterscheiden sich, führt Thomas Sachse aus.
Fossil will Risiko minimieren
Zum Jahresstart legte Fossil außerdem ein “Partnerschaftskonzept” auf. In diesem Rahmen werden die Flächen mit aufeinander abgestimmten Produkten und Warengruppen als klar definierte “Stilwelten” inszeniert. Klare Sortimentsaussagen geben den Kunden Orientierung und erleichtern ihm die Kaufentscheidung. Das Konzept beinhaltet neben Bonusprogrammen unter anderem auch Abschriftenbeteiligungen, damit sich das Risiko bei Handel und Lieferant minimiert. Rund 60 Fachhändler konnte die Marke für dieses Modell bisher gewinnen.
Mit einem “Core-Starterpaket” für Damen will Fossil zudem seine Position als starke Kleinlederwaren-Marke unterstreichen. Dazu gehören 22 Modelle, für die 60 Tage Valuta angeboten werden. Wie in der gesamten Kollektion für Herbst/Winter spiele Farbe in diesem Sortiment eine wichtige Rolle – “aber leiser als in den Vorsaisons”, so Sabrina Schömmer. Die Töne orientierten sich an den Vorgaben aus der DOB.
Über die Entwicklung im vergangenen Jahr äußert sich Thomas Sachse erfreut: “Wir hatten ein gutes Lederjahr.” Für die Zukunft stimmen ihn und Sabrina Schömmer nicht nur die neuen Konzepte optimistisch, sondern auch die Ausrichtung der Kollektion. Diese überzeuge durch ihren klaren Casual-Charakter und rücke die DNA von Fossil wieder verstärkt in den Vordergrund. “Wir sind eine Crossbody-Firma. Wir halten die Produkte lebendig, verleihen ihnen aber kein komplett neues Gesicht.” Einen Fokus legte man für Herbst/Winter auf den Relaunch Herren-Kollektion, die sich durch vor allem durch ihren Outdoor-Charakter auszeichnet.
Potential für “Connected Accessoires“
Das Bekenntnis zu den Wurzeln und Stärken verschließt allerdings nicht den Blick auf Trends. Aktuelles Beispiel: Vor kurzem übernahm die Fossil Group die Firma Misfit, einen Spezialanbieter von tragbaren Technologien und “vernetzten Modegeräten”. Durch die Übernahme will die Fossil Group ihren Zielmarkt erweitern und den Verbrauchern sowohl herkömmliche Uhren als auch vernetzte Mode-Accessoires bieten. “Dies ist für uns eine bedeutende Chance, um unsere Plattform aus Uhren und Accessoires um Technologien und Konnektivität zu erweitern”, sagte Kosta Kartsotis, Chief Executive Officer der Fossil Group, anlässlich der Übernahme.
“Connected Accessoires” würden zunächst vor allem für den Uhrenmarkt beleben, führt Thomas Sachse aus. Gleichwohl werde das Thema allgemein “unterschätzt” und perspektivisch sicher auch für Lederwaren interessant. Das RFID Schutz Lining werde bereits erfolgreich bei Herrenkleinlederwaren angeboten und wird zur Herbst/Winter-Saison auch bei den Bestsellern im Bereich Damenbörsen umgesetzt.
Unter dem Begriff Connected Accessoires könnten künftig beispielsweise Ladegeräte zur Ausstattung einer Tasche gehören und neue Maßstäbe an die Funktionalität von Lederwaren setzen. Die Vorbereitungen laufen jedenfalls schon bereits auf Hochtouren: Im vierten Quartal führt Fossil in den eigenen Geschäften und im Onlineshop die ersten “Connected Lederwaren” ein, kündigt Sabrina Schömmer an. Und Anfang 2017 soll bei ausgewählten Partnern der Startschuss im Lederwarenfachhandel erfolgen.