Welche Themen prägen die Mode von morgen? Worauf müssen wir achten? Wo liegen Chancen? Fragen wie diese standen auf dem Season Opening von Fashion Trend Pool in Frankfurt im Vordergrund. So bot Marga Indra-Heide in ihrem Eröffnung-Vortrag einen Überblick über künftige Trends. Dazu zählt die Expertin weiterhin Nachhaltigkeit. „Wir kommen um dieses Thema nicht herum. Im Gegenteil: Nachhaltigkeit wird die Modebranche künftig in noch viel größerem Ausmaß prägen als bislang.“ So würden derzeit so viele alternative Materialien und Technologien entwickelt wie noch nie. Allen gemein sei die Überzeugung, dass ein schlichtes ’Weiter so’ nicht zielführend sei.
Story-doing in der Schweiz
Mit Blick auf den Handel wird nach Überzeugung der Experten von Fashion Trend Pool das so genannte Story-doing zunehmend wichtiger. Dabei gehe es in erster Linie darum, Kunden aktiv in Aktionen einzubeziehen und so eine Bindung herzustellen. Wie dies beim Schuhhaus Walder, einem Filialisten aus der Schweiz, gelingt, erklärten Martina und Daniel Walder, die das Unternehmen gemeinsam in der sechsten Generation führen. „Unser Claim lautet ’Freude, die bleibt’ – dieser Anspruch geht weit über das Produkt hinaus“, erklärte Martina Walder. Insbesondere im Wettbewerb mit dem Onlinehandel sei die Emotionalisierung des stationären Handels unverzichtbar, ist die Unternehmerin überzeugt. Bei Walder wird dies durch kreative Events und Aktionen umgesetzt. So bot der Schuhhändler zum Black Friday nicht etwa Rabatte, sondern spendete vielmehr für jedes verkaufte Paar Schuhe ein Kuscheltier-Schaf an ein Kinderkrankenhaus in der Schweiz. Für Aufsehen sorgte außerdem eine Tattoo-Aktion: Gekoppelt an einen bestimmten Einkaufswert konnten sich Kunden bei Walder kostenfrei tätowieren lassen. Rund 20 Kunden nahmen das Angebot war. „’Schuhhaus Walder’ hat sich allerdings niemand tätowieren lassen“, so Daniel Walder augenzwinkernd. Beliebt ist zudem die regelmäßig stattfindete Malaktion, bei denen Kinder ihre Gummistiefel individuelle verzieren können. „Mein Tipp an alle Händler: Machen Sie etwas anderes als die anderen. Nur so können Sie sich von der Rabattflut absetzen. Events müssen heute besonders sein. Die Einladung zum Prosecco allein reicht nicht mehr aus.“
Ausblick auf Herbst/Winter 2019/20
Zum Abschluss des Season Opening blickte Marga Indra-Heide auf die bevorstehende Ordersaison. Ihre Botschaft: „Es gibt weniger Dekorationen. Glitzer und Glamour können wir hinter uns lassen. Materialien und Farben stehen dagegen im Mittelpunkt.“ Besonders die neuen Rottöne in Kombination mit Ocker, Orange und Braunnuancen seien zu beachten. Auch Gelb, eine der wichtigsten Farben für F/S 19, bleibe wichtig. „Ausgedient hat dagegen weitgehend Grau“, so Indra-Heide. Im Bereich der Urbanwear seien neben kräftigen Farben zudem viele technische Materialien wichtig, zugleich gehe der Echtleder-Anteil in den Kollektionen rapide zurück. Die Themen Sport und Sneaker werden auch in den nächsten Saisons nicht an Bedeutung einbüßen, ist die Trendexpertin überzeugt. Im Gegenteil: „Der Sneaker ist eine never-ending-Story, der sogar noch wichtiger werden wird. Natürlich bleibt auch Platz für Nischen wie Galanterie – aber es sind eben Nischen.“ Zudem setzte sich Marga Indra-Heide für eine Aufweichung der Saisonrhythemen ein. Es sein dringend mehr Pre-Fall Kollektionen notwendig, um einen sanften Übergang vom Sommer zum Herbst zu schaffen. „Schon im August eine ’schwarze Wand’ in den Geschäften – das braucht kein Mensch.“