Aus der jüngsten Studie zur deutschen Textilindustrie von Euler Hermes geht hervor, dass die Risiken, Finanzierungsmöglichkeiten und Aussichten im Textileinzelhandel und der Textilproduktion relativ stark variieren. Seit Jahren kämpfe der Textileinzelhandel beispielsweise neben einer starken Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen mit sehr geringen Gewinnmargen und einer zunehmend starken Konkurrenz durch den Online-Handel. Auch in der Textilproduktion zeigen sich laut Studie zwei Gesichter. Zahlreiche Produzenten haben ihr Geschäftsmodell erfolgreich erneuert und sich auf Nischen spezialisiert, andere Hersteller seien jedoch weiterhin der starken asiatischen Konkurrenz und dem damit verbundenen Preiskampf ausgesetzt. Zudem seien sie gezwungen, durch das schnelllebige Konsumverhalten bis zu 12 Kollektionen pro Jahr auf den Markt zu bringen, heißt es in der Euler Hermes Studie weiter.
Stationärer Handel vor Herausforderung: Online-Handel dürfte bis 2017 um rund 50% zunehmen
Nach Einschätzung des Chefökonoms der Euler Hermes Gruppe, Ludovic Subran, sei der Online-Handel massiv im Kommen und dürfte bis 2017 um etwa 50% zunehmen. „Dies stellt künftig vor allem den stationären Handel vor große Herausforderungen und die Notwendigkeit, Einkaufserlebnisse und die Beratungsleistung zu verbessern – oder aber seine Vertriebsmodelle anzupassen und auf mehrere Absatzkanäle auszuweiten“, sagt Subran. Beides koste jedoch Geld und sei bei den weiterhin geringen Margen mit zahlreichen Risiken verbunden. Ein weiteres Problem, so der Experte, sei die starke Abhängigkeit von der Witterung. Der bisher relativ warme Start in die Wintersaison drücke beispielsweise auf die Umsätze und Gewinne der Einzelhändler.
Textilproduktion: Deutsche Hersteller Exportweltmeister bei ’technischen Textilien‘
Die deutschen Textilhersteller gehören laut Studie zu den „Innovationsführern“. Allein zwischen 2009 und 2013 haben sich die Ausfuhren in diesem Segment verdreifacht und auch die Aussichten seien gut. Für 2015 rechnen die Euler Hermes Ökonomen mit Exporten im Wert von 7,1 Mrd. Euro.
Während sich die Hersteller technischer Textilien bereits strukturell auf die zunehmende Konkurrenz aus Asien reagiert hätten, würden sich die Hersteller von anderen Textilien und Bekleidung schwer tun, mit den Niedriglohnländern zu konkurrieren, heißt es in der Studie. So nahm die Produktion in Deutschland in diesem Segment in der letzten Dekade rapide ab, während die Einfuhren, insbesondere aus China, in die Höhe schnellten. Allein zwischen 2005 und 2011 sollen sich Textil- und Bekleidungsimporte aus China mehr als verdoppelt haben.
’Fast Fashion‘: Durchschnittlich 30kg Kleidung pro Jahr werden gekauft, 30% wird nie getragen
„Laut Branchenstatistiken kauft eine Frau durchschnittlich 30 Kilogramm Kleidung pro Jahr – knapp ein Drittel davon wird nie getragen“, sagte Thomas Krings, Risikovorstand bei Euler Hermes Deutschland. „Die Händler müssen sich deshalb noch stärker auf das Phänomen der ’Fast Fashion‘ einstellen und regelmäßiger spannende Neuerungen anbieten, wenn sie Kundinnen in ihre Geschäfte locken wollen. Sonst wirkt sich dies sehr schnell auf die Einnahmen aus. Entsprechend groß ist auch der Druck auf die Bekleidungshersteller, die Zeit zwischen Design und Verkauf zu verkürzen und jedes Jahr nicht mehr nur zwei, sondern sechs bis 12 Kollektionen auf den Markt zu bringen. Das ist vier- bis sechs Mal so viel wie noch vor einigen Jahren und mit erheblichen Kosten sowie einem aufwändigen Supply Chain Management verbunden, die sich erst einmal rechnen müssen.“
Die vollständigen Studienergebnisse finden Sie hier.