Der technische Verhandlungsabschluss wurde am Freitag in Brüssel bekannt. Vor Inkrafttreten muss das Abkommen noch ratifiziert werden. Dies könnte bis Jahresende der Fall sein, teilt der Industrieverband Gesamtmasche mit. Das Freihandelsabkommen beseitigt Zölle und weitere Handelsbarrieren. Vietnam liefert insbesondere Textilwaren und Schuhe in die EU. Schon heute ist das Interesse deutscher Einkäufer an Vietnam deutlich gestiegen, vor allem wenn es um eine Alternative zu China als Beschaffungsmarkt geht. Kostensteigerungen und der Trend zu großen Losgrößen in China machen Vietnam zur Alternative. Bei Produkten mit vielen Details punktet das Land mit seinem Lohnkostenvorteil.
Nach Angaben des vietnamesischen Schuhherstellerverbands Lefaso sind die Schuhfausfuhren in die EU im ersten Halbjahr 2015 um 17% gestiegen. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband mit Exporten im Wert von mehr als 14 Mrd. Dollar. In den vergangenen Jahren sind die Schuhausfuhren aus Vietnam konstant um je 20% gewachsen.
Auch der VDMA unterstützt das Abkommen. Die Einigung der EU-Kommission mit Vietnam über ein Freihandelsabkommen sei auch eine gute Nachricht für den deutschen Maschinenbau. „Dieses Abkommen wird die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Maschinenbauinduistrie in Vietnam signifikant erhöhen”,
sagt Außenhandelsexperte Oliver Wack von der VDMA Außenwirtschaft zu den bevorstehenden Handelserleichterungen mit einem der wichtigsten Märkte in Südostasien.
In den letzten zehn Jahren konnte die deutsche Investitonsgüterindustrie ihre Lieferungen nach Vietnam mehr als verdreifachen. 2014 exportierte der Maschinenbau Güter im Wert von insgesamt 500 Mio. Euro in das südostasiatische Land. Dies entsprach einer Steigerung um rund 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Schwerpunkte der Lieferungen bildeten die Fachzweige
Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen, Fördertechnik, Werkzeugmaschinen, Bau- und Baustoffmasachinen sowie Textilmaschinen. „In all diesen Produktfeldern liegen die Zollsätze für die Einfuhr nach Vietnam bei bis zu 5 Prozent”, sagt Friedrich Wagner, Zollexperte im VDMA. „Über 90 Prozent der Zollsätze innerhalb des Maschinenbaus sollen sofort auf Null sinken, die restlichen Positionen innerhalb von fünf Jahren abgebaut werde. Das ist eine erfreuliche Perspektive.