Radio, Politik und Schuhhandel: Corinne Cahen, Geschäftsführerin von Chaussures Léon, dem ältesten Schuhhaus Luxemburgs, blickt auf Stationen in allen drei Bereichen zurück.
03.02.2025
Christian Kandlin
1 Minute
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Corinne Cahen (Mitte) und das Team von Chaussures Léon (Foto: Chaussures Léon/Ann Sophie Lindström)
Vor wenigen Monaten feierte Chaussures Léon in Luxemburg sein großes Jubiläum. Das Schuhhaus mit mittlerweile drei Standorten lud Kunden, Branchenkollegen sowie Personen aus dem öffentlichen Leben ein und blickte auf die nun 100 Jahre zurück. „Und 100 Jahre, das macht was mit einem“, erzählt Geschäftsführerin Corinne Cahen. In dritter Generation führt sie das Unternehmen nun seit Juni 2023 – wobei sie dem Haus bereits seit 2001 bis 2013 vorstand. Und auch damals war der Einstieg in das Schuhgeschäft für Cahen nicht selbstverständlich.
Eine unerwartete Reise
„Ich bin praktisch seit meiner Geburt in diesem Geschäft“, erzählt die Händlerin weiter. Doch dort auch später anzufangen stand vorerst nicht auf dem Plan, vielmehr sah sie sich im Journalismus. Während ihrer Tätigkeit als Radiojournalistin, in der sie oftmals die Morgenschichten übernahm, verabschiedete sie sich bereits um 10 Uhr in den Feierabend. Schließlich stellte sich die Frage, was in der übrigen Zeit des angebrochenen Tages zu tun blieb: „Für Schlaf war es noch zu früh, das ging nicht. Und da habe ich anfangs aus Langeweile im Geschäft meiner Eltern angefangen.“ Auch wenn sie einen eigenen Weg einschlug, war ihr die Schuhbranche nie fremd. „Ich bin als Kind bereits sehr viel mit meinen Eltern gereist“, erinnert sich Cahen zurück. „Vor allem mit meinem Vater war ich sehr viel auf Messen unterwegs.“ Generell stand das Thema Schuhe stets im Zentrum der Familie. „Für die GDS waren meine Eltern zwei Mal im Jahr in Düsseldorf. Dabei waren sie immer dienstags schon da, um noch ein wenig in die Stadt zu gehen: Meine Mutter wollte damals sehr gerne Shoppen gehen; mein Vater hatte sich aber nur für das Prange-Geschäft interessiert.“ Nachdem Corinne Cahen bereits seit Anfang der 2000er-Jahre das Unternehmen ihrer Eltern vertreten hatte, entschied sie sich 2013 zu einem ungewöhnlichen Schritt: „Ich wollte immer, dass jeder Mensch ein gutes Leben hat. Darum bin ich dann Politikerin geworden.“ Bis 2023 war sie Ministerin für Familie, Integration und die Großregion. Nach zwei Amtszeiten entschied sich die Luxemburgerin gegen eine Verlängerung, bleibt der Politik jedoch weiterhin als Abgeordnete der liberalen Demokratesch Partei (DP) erhalten. Für die Zwischenzeit gab sie ihre Führungsposition im Familienunternehmen ab; ihr Vater André Cahen, der seinerzeit einst das Unternehmen von Léon Cahen (mit dem er nicht verwandt ist) übernahm, half währenddessen gemeinsam mit dem tatkräftigen Team des Schuhhauses aus.
Erinnerungen aus 100 Jahren Chaussures Léon (Foto: Chaussures Léon)
Erinnerungen aus 100 Jahren Chaussures Léon (Foto: Chaussures Léon)
Erinnerungen aus 100 Jahren Chaussures Léon (Foto: Chaussures Léon)
Erinnerungen aus 100 Jahren Chaussures Léon (Foto: Chaussures Léon)
Erinnerungen aus 100 Jahren Chaussures Léon (Foto: Chaussures Léon)
Erinnerungen aus 100 Jahren Chaussures Léon (Foto: Chaussures Léon)
Erinnerungen aus 100 Jahren Chaussures Léon (Foto: Chaussures Léon)
Erinnerungen aus 100 Jahren Chaussures Léon (Foto: Chaussures Léon)
Im Prinzip klassisch
Corinne Cahen, Geschäftsführerin Chaussures Léon (Foto: Chaussures Léon/Ann Sophie Lindström)
Seit 2023 führt Corinne Cahen das Schuhunternehmen mit ihrem Team aus 29 Verkäuferinnen weiter. Neben dem Haupthaus in Luxemburg-Gare ergänzte über die Jahre ein großes Geschäft in dem Shopping-Center La Belle Étoile das Angebot. Zum 100. Jubiläum feierte Chaussures Léon schließlich eine weitere Eröffnung: Um auch die begeisterten Kunden in den ländlicheren Regionen zu erreichen, eröffnete das Unternehmen eine weitere Filiale in Marnach im Norden des Landes. Zum Sortiment erklärt Cahen: „In Deutschland wären wir sehr klassisch aufgestellt.“ Soll heißen: Gabor, Waldläufer, Lloyd und Hassia spielen hier eine wichtige Rolle, aber auch Marken wie Skechers, Kennel & Schmenger, Panama Jack, Regarde le Ciel oder Crockett & Jones befinden sich in der Produktpalette des Geschäfts. Insgesamt möchte Chaussures Léon jedoch vor allem europäische Produktionen fördern. „Wir müssen uns gegenseitig unterstützen in Europa; auch, wenn es mal nicht so gut läuft.“ Aus diesem Grund setzt das Schuhhaus auch schon mal auf kleinere Marken, „und wenn es auch nur um die Unterstützung geht.“
Emotionale Momente
Vize-Premierminister und Außenminister Xavier Bettel hält zum Jubiläum eine Ansprache. (Foto: Chaussures Léon (Foto: Chaussures Léon/Ann Sophie Lindström)
„Unser Fokus bleibt ganz klar: unsere Kollektionen sowie die Beratung.“ Damit werde das Schuhhaus auch bereits seit nun 100 Jahren verbunden. „Unsere Kunden kommen von überall“, so Cahen. „Wir sind sehr international und die Leute kommen immer wieder. Oft wird es gerade bei diesen langjährigen Stammkunden sehr emotional.“ So erzählten Kunden etwa von ihren Einkaufserfahrungen mit ihren Großeltern im Chaussures Léon. Unter dieser Strategie führte Corinne Cahen das Unternehmen in das 100. Jubiläum. Selbstverständlich wurde dies in Luxemburg auch groß gefeiert: Neben den langjährigen Stammkunden und dem Team waren auch Bekannte aus der Politik, wie verschiedene Minister und der Präsident der Abgeordnetenkammer sowie zahlreiche Abgeordnete, vor Ort, um dem nun ältesten Schuhhaus Luxemburgs zu gratulieren. Doch das eigentliche Highlight war die Teilnahme der ältesten ehemaligen Mitarbeiterin, die bereits 1947 im Unternehmen anfing – ihre Anwesenheit während der Feier war deshalb besonders emotional. Nun führt Corinne Cahen das Unternehmen Chaussures Léon entschlossen in die Zukunft. Bei der Frage, worauf sie dabei vor allem setzt, macht sie auf die Gemeinsamkeiten von Schuhgeschäft und Politik aufmerksam: „Es geht immer um Menschen. Wir sollten deswegen alle daran arbeiten, die Welt ein bisschen besser zu machen.“