schuhkurier: Herr Krug, 2018 ist Geschichte. Welche Schlüsse ziehen Sie aus diesem schwierigen Jahr?
Stephan Krug: 2018 war das ‘perfect storm‘-Szenario. Das Jahr war in vielerlei Hinsicht einzigartig. Dabei war das Wetter eine wesentliche Komponente. Der fortschreitende Strukturwandel, der Druck des e-Commerce auf die etablierten Geschäftsmodelle, und der Sneaker-Trend machte es dem Schuhhandel zusätzlich schwer. Und hinzu kam, dass es wenig Neues gab. Ich kann verstehen, dass man sich als Händler die Frage stellt, wie das weitergehen soll, ob das eigene Geschäftsmodell noch Sinn ergibt bzw. wie man sich hier besser aufstellt.
Wie stellt sich Sabu auch vor diesem Hintergrund strategisch auf?
Wir denken noch mehr in Hinblick auf Service für unsere Händler. Wenn es beispielsweise Unternehmer gibt, die das Bedürfnis haben, E-Commerce zu betreiben, müssen wir das Know-how dafür bereitstellen. Letztlich geht es um die Frage der Relevanz. In diesem Zusammenhang halte ich den Gedanken von Kooperationen in größerem Stil für sinnvoll. Die Schuhverbundgruppen sind stationär groß, im Internet – verglichen mit Playern wie Amazon oder Zalando – sind sie jedoch sehr klein. Vielleicht ist es besser, manches gemeinsam zu stemmen und sich den Aufwand/die Kosten hierfür zu teilen.
schuhkurier: Herr Krug, wie weit ist die Plattform sabu.de inzwischen implementiert?
Wir sind mit dem aktuellen Status sehr zufrieden. 98% unserer Händler sind dort inzwischen sichtbar, haben also Visitenkarten im Netz. Rund 260 Schaufenster sind ebenfalls im System abrufbar. Was mich beschäftigt, ist die Frage, wie sich das Angebot in Richtung Endverbraucher darstellt, wenn ein Händler sein Sortiment, sagen wir, in fünf verschiedenen Shops anbietet. Dann erscheinen im Internet fünfmal so viele Schuhe wie die Realität abbildet. Wir haben es also mit einem aufgeblähten virtuellen Angebot zu tun. Auch das sind Themen, für die wir meiner Ansicht nach Lösungen und Antworten finden müssen.
Wie entwickelt sich das Laufgut-Konzept?
Laufgut läuft! Das Konzept entwickelt sich gut; wir haben es inzwischen mit weiteren Inhalten gefüllt, auch ein Schmalweitenangebot entwickelt und aufgenommen. Unser Konzeptleiter Kay Wegerhoff plant in nächster Zeit sechs Events an verschiedenen Standorten, um das neue Konzept zu präsentieren. Bequeme Schuhe sind nicht einfach nur weite Schuhe – es sind passende Schuhe! Mit dem neuen Angebot von Laufgut kann man den Bedarf nach Schmalweiten befriedigen. Das Konzept wächst auch quantitativ: Wir haben aktuell 22 Firmen auf der Warteliste, die nach der passenden Immobilie suchen. In diesem Bereich kann man Neueröffnungen gar nicht verhindern.
Sie haben in Ihrem Modevortrag während der Sabu-Messe gefordert, der Handel möge die richtige Mischung aus bewährtem und neuem im Sortiment präsentieren. Wie erleben Sie die Stimmung im Handel derzeit?
Es ist eine sehr große Verunsicherung spürbar. Bei manchen Unternehmern führt das dazu, dass sie wie das Kaninchen vor der Schlange sitzen. Sie ziehen sich zurück, weil sie nicht genau wissen, was zu tun ist. Dabei wäre genau das Gegenteil richtig: Man müsste die Größe und den Mut haben zu sagen: Ich fahre jetzt mein Engagement hoch, ich stelle mich den Herausforderungen und versuche, mich möglichst umfangreich zu informieren und eine gute Mischung aus alt und neu zu finden. Glücklicherweise haben wir auch viele Unternehmer, die dieses momentan beherzigen.
Man hat oft den Eindruck, Händler richten sich verstärkt nach den Abverkaufslisten des Vorjahres…
Es bringt nichts, immer nur in den Rückspiegel zu schauen. Was gestern gut war, muss nicht morgen auch noch gut sein. Es ist wichtig, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Aber man muss auch nach vorne schauen, um eine Vision zu entwickeln und den Kunden immer wieder neu zu überraschen und zum Kauf zu animieren.