Das Saarbrücker Schuhhandelsunternehmen Shoes Fifty-6 schließt. Nach 35 Jahren wird die Firma Ende September liquidiert. Den Inhabern Romy und Max Schoenberg erschien es „absolut notwendig“, diesen Schritt nun zu gehen, sie wollten „selbstbestimmt“ einen Schlusspunkt setzen.
Romy und Max Schoenberg galten lange Zeit als Vorreiter und -denker in unserer Branche. Ihr Unternehmen wurde als Leuchtturm bewundert. Als Platzhirsch im besten Sinne. In Berlin, Düsseldorf, Kopenhagen, Paris und Mailand arbeiteten sich die Schoenbergs konzentriert und detailliert durch die Kollektionen, immer auf der Suche nach dem Neuen, dem Außergewöhn-
lichen. Sie waren anspruchsvoll, manchmal streitbar und immer mutig, wagten sich, ausgehend von einer Mode- und Schuhboutique, die Romy Schoenberg 1984 gemeinsam mit Business Partner Franz Tinnacher eröffnet hatte, auch an Neues heran.
Sie eröffneten weitere Geschäfte, darunter ein reines Herrenschuhgeschäft und später Modeboutiquen mit verschiedenen Schwerpunkten. 2009 wurden sie für ihr herausragendes Engagement mit dem schuhkurier AWARD ausgezeichnet.
In den zurückliegenden Jahren schien der Wind zu drehen – und zunehmend zum Sturm zu werden. Von einigen Konzepten verabschiedeten sich die Unternehmer wieder. In Gesprächen machten Max und Romy Schoenberg zuletzt keinen Hehl daraus, dass sie mit vielerlei Herausforderungen zu kämpfen hatten. Manchmal war eine gewisse Verbitterung spürbar.
Das Interesse an Mode, wie Fifty-6 sie präsentierte, sank. Die Frequenzen gingen zurück. Es wurde zunehmend online oder im 30 Minuten entfernten Outlet Zweibrücken gekauft – obwohl das Team rund um die Schoenbergs an Beratungsqualität und Kompetenz kaum zu toppen ist. Die Vermieter, mit denen man angesichts der erschwerten Rahmenbedingungen das Gespräch suchte, zeigten sich offenbar unbeeindruckt.
Auf der anderen Seite taten sich die Unternehmer schwer, die richtigen Antworten auf das veränderte Kundenverhalten zu finden. Auf Facebook und Instagram spielten sie kreativ mit, betonten aber selbst dort: „Bei uns kommt Ihr nicht ins Internet! Bei uns kommt Ihr wieder!“ Einen eigenen Webauftritt hatte Shoes Fifty-6 ganz bewusst nicht, geschweige denn einen Onlineshop.
Romy und Max Schoenberg zeigen mit ihrem nun angekündigten Schritt wiederum Mut. Sie wollen selber handeln, bevor ihnen das Heft aus der Hand genommen werden könnte. Zugleich ist es traurig, dass ein solches Konzept, dass solche Unternehmer sich aus unserer Branche verabschieden. Mit Fifty-6 endet eine Ära. Nicht nur in Saarbrücken.