Aus der GfK-Studie ’Einzelhandel Europa‘ geht hervor, dass dank der weiter steigenden Einkommen der osteuropäischen Wachstums-Spitzenreiter der vergangenen Jahre auch im laufenden Jahr wieder vorne liegen. So erwarten die Marktforscher von GfK für Bulgarien (+5,3%), Ungarn (+6,0%), Tschechien (+6,5%) und Rumänien (+7,5%) kräftige Zuwachsraten. Auch Polen dürfte ein stationäres Umsatzwachstum von +5,6% erreichen.
„Im Jahr 2017 konnten alle europäischen Länder von einem Wirtschaftswachstum profitieren. Für 2018 rechnen wir damit, dass der stationäre Handel in Europa insgesamt einen Aufschwung erlebt, auch wenn sich in einigen Ländern Umsatzwachstum und Preissteigerungen die Waage halten werden“, kommentiert Studienleiter und GfK-Einzelhandelsexperte Dr. Johannes Schamel die Studienergebnisse.
Mit einer Inflationsrate von 1,7% näherten sich die 28 EU-Staaten im vergangenen Jahr wieder der von der EZB ausgerufenen Zielmarke von +2,0% für die Verbraucherpreisentwicklung. Auch in vielen osteuropäischen Staaten, die in Jahren zuvor mit Deflation kämpften, mussten Verbraucher für die gleichen Güter wieder tiefer in die Tasche greifen. Da die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt hat, den Leitzins bis 2019 unangetastet zu lassen, kann der Einzelhandel für das Jahr 2018 der GfK zufolge mit einer ähnlichen Entwicklung wie im Jahr 2017 rechnen. Die EU-weite Teuerungsrate dürfte bei 1,9% liegen. Dies gelte allerdings nur unter Annahme eines nicht eskalierenden Handelsstreits zwischen der EU und den Vereinigten Staaten.
Ferner zeigt die GfK-Studie, dass innerhalb der betrachteten europäischen Länder im vergangenen Jahr ein weiterer Zuwachs der absoluten Verkaufsfläche zu beobachten war. Einzige Ausnahme waren die Niederlande mit -0,4%. Bei der Pro-Kopf-Betrachtung ergibt sich laut GfK aber ein anderes Bild: In der Hälfte der betrachteten Länder blieb die Verkaufsfläche pro Kopf konstant oder sank sogar leicht. Die Spannbreite der Pro-Kopf-Werte ist beträchtlich. So steht Einwohnern in den Beneluxstaaten (1,48 -1,64qm) mehr als doppelt so viel Verkaufsfläche zur Verfügung als etwa den Einwohnern Rumäniens (0,72qm).
Analog zur Verkaufsflächenausstattung pro Kopf ergibt sich bei der Entwicklung der Flächenleistung ein gemischtes Bild in Europa. In Schweden sank der Wert um 1,5% auf 6.000 Euro/qm. Ein rückläufiger Umsatz pro Fläche war 2017 auch für Belgien zu beobachten. Hier fiel das Minus mit -1,1% jedoch nicht ganz so groß aus. Eine restriktive Planung mit protektionistischen Tendenzen bremste in Ungarn die Expansion internationaler Einzelhandelsunternehmen. Folglich fanden großflächige Neuentwicklungen nur in begrenztem Maße statt. Die kräftig wachsenden Einzelhandelsumsätze befeuern damit die Flächenproduktivität, die im vergangenem Jahr um +6,9% auf 2.997 Euro/qm stieg.