Natürlich haben die Erfahrungen mit den Textillieferanten Auswirkungen auf Thomas Schuberts Erwartungen an die Schuhindustrie. „Durch die gestaffelten Liefertermine von Textillieferanten wie Kenny S. sind wir daran gewöhnt, dass sich das Bild im Geschäft immer wieder verändert“, sagt Schubert. Auch in Bezug auf Liquidität favorisiert er zeitgerecht getaktete Lieferkapseln, denn „Umsatz und Wareneingang verlaufen dann parallel“. In der kommenden Orderrunde wird er Sandalen erst für die zweite April-Hälfte ordern. Grundsätzlich ist er überzeugt, dass nicht allein er als Händler die Wareneingänge sinnvoll einsteuern sollte, sondern dass schon die Industrie von sich aus Ready-to-wear-orientiert liefern sollte. Wenn Monatskollektionen mit Ware, die zum Lieferzeitpunkt passt, im Textilbereich funktionieren, „warum soll das nicht auch bei den Schuhen gehen?“, fragt Schubert. Auf jeden Fall müsse sich an den Liefergepflogenheiten in der Schuhbranche „dringend etwas ändern“, mit Valuten sei es nicht getan. Denn „es geht doch nicht zuletzt auch darum, dass die Kunden die Erfahrung machen, dass es auch im Mai noch Neues bei uns gibt“ und es sich auch dann noch lohne, in den Schuhhandel zu kommen. „Wir müssen grundsätzlich weg vom Frühjahr/ Sommer- und Herbst/Winter-Denken“, fordert Thomas Schubert, stattdessen „brauchen wir immer wieder frische Ware, die zum Saisonzeitpunkt passt!“
Die positive Entwicklung von Schuh & Mode Schubert zeigt: Die damalige Weichenstellung, das Schuhsortiment durch Textilien zu ergänzen, hat sich bewährt, der Textil-Umsatz ist in den letzten Jahren regelmäßig zweistellig gewachsen. „In der heutigen Marktsituation möchte ich kein reines Schuhgeschäft mehr betreiben“, sagt Schubert. Denn in Zeiten, in denen Schuhe wetterbedingt nicht so laufen, „haben wir die Textilmode oder Taschen“. Und wenn der Schuh mal die Oberhand hat, arrondiert die Mode das Schuhbusiness. Zudem sei es mit Schuhen allein deutlich schwieriger, in der Warenpräsentation und Dekoration Akzente zu setzen. Dank der Mode wirke die Fläche jederzeit interessant, „wir brauchen nicht einmal Dekomaterial“. Allerdings müsse man sich schon intensiv mit der Mode beschäftigen, nur „zwei, drei Kleiderständer reinzuschieben, wie man das manchmal in Schuhgeschäften sieht, das funktioniert nicht“. Mittlerweile beträgt der Textilanteil 25%, der Schuhanteil 55%, die restlichen 20% verteilen sich auf Sport, Taschen und Kleinlederwaren.
Zwar klettert die Umsatzkurve von Schuhe & Mode Schubert – insbesondere seit Ende der Corona-Phase – kontinuierlich nach oben und liegt in diesem Jahr per Ende April über alle Warengruppen hinweg aufgelaufen 22% im Plus. Thomas Schubert hätte demnach allen Grund, sich auf die Schulter zu klopfen. Stolz ist er aber eigentlich nur auf seine sechs Mitarbeiterinnen, denn dass sie eine solche Nähe zu den Kunden haben, findet er „einfach toll“. Auch sonst sieht er sich momentan gut aufgestellt, auch in Zukunft will er die Dinge „richtig machen oder gar nicht“, wie es immer schon seine Devise war. Eine Zielsetzung hat er aber dennoch: „Wir möchten in den Strukturen, die wir geschaffen haben, unser Potenzial bestmöglich ausschöpfen.“