Im Jahr 2020 wird demnach ein Viertel der Handelsausgaben online ausgegeben. Ohne den Bereich Lebensmittel beträgt der Anteil rund ein Drittel. Und bei Bekleidung sogar 50%.
Daraus resultiert ein enormer Strukturwandel. Bis 2020 werden rund 45.000 Handelsstandorte von der Landkarte verschwinden, prognostizierte Reinartz. Ehemals reine Online-Händler würden zwar Geschäfte eröffnen, könnten den Rückgang aber nicht kompensieren. Im Zuge dessen nimmt die Verkaufsfläche nach Jahren des Wachstums wieder ab. Sie wird im Jahr 2020 wieder so groß wie 2009 sein. Gleichzeitig geht die Kundenfrequenz in den Städten zurück.
Je nach Region unterscheiden sich die individuellen Konsequenzen für den einzelnen Händler. Dabei berief sich Reinartz auf aktuelle Zahlen. Im September 2014 befragte das IFH im Rahmen der Studie „Vitale Innenstädte 2014“ 35.000 Passanten in über 60 Städten. Die Zielsetzung der Befragung lautete: Was macht Stadt attraktiv? Reinartz stellte erste Ergebnisse vor:
Demnach suchen rund 60% der Verbraucher die Innenstadt auf um einzukaufen. Etwa 30% wollen sich in ihrer Freizeit vergnügen. Die Analyse zeigt, dass in kleineren Städten die Einkaufsfunktion der Stadt eine größere Rolle spielt. Und: Je jünger die Innenstadtbesucher, desto wichtiger sind ihnen Freizeitvergnügungen wie Kino, etc.
Die wichtigste Branche für Einkäufer ist Bekleidung. Daher gilt: „Fashion gibt der Innenstadt ein Gesicht und zieht die attraktive Zielgruppe.“
Der Vergleich zwischen den Sortimenten, welche die Kunden in der Innenstadt suchen und welche sie vorfinden zeigt: In den Mittelzentren wird Mode vermisst. Das hat Konsequenzen. Zum einen wandern die Einkäufer vor allem aus kleineren Städten ab in aus ihrer Sicht attraktivere Städte. Die so genannten „Fashion-Vermisser“ versuchen ihr Shipping-Glück zudem überdurchschnittlich häufig im Netz. Bis 2020 wird der stationäre Umsatz daher von wenigen großen Zentren abgesehen zurückgehen.
Etwa 60% der stationären Händler empfinden diese Entwicklung als Bedrohung. Das ist zwar die Mehrheit. Reinartz wundert sich allerdings über die 40%, die meinen, dass der Wandel spurlos an ihnen vorüber gehe.
Rund 80% der Händler ergreifen Maßnahmen gehen den Frequenzrückgang. Reinartz begrüßte, dass sich der Handel nicht auf defensive Maßnahmen wie Preissenkungen beschränkt, sondern mit Mitarbeiterschulungen, Events und Werbung offensiv vorgeht. Und: Immerhin planen 40% planen Maßnahmen im Internet.