Grundsätzlich sind Sjuts „bestrebt, jede einzelne Filiale rentabel zu betreiben“, so Christopher Sjut. Basierte Rentabilität früher nicht zuletzt auf niedrigen Kosten, so „müssen wir andere Wege gehen, um eine Kalkulationsverbesserung zu erreichen“, sagt Christopher Sjut. Denn „es ist vor allem die Kalkulation, die die Überlebensfähigkeit sichert“. Die Eigenmarken der ANWR „helfen uns diesbezüglich sehr“. Sind Eigenmarken also die Lösung für das Rentabilitäts-Problem? „Sehr gut kalkulierte Eigenmarken sind wichtig“, sagt Hermann Sjut, „wir brauchen jedoch insgesamt einen guten Mix“. Dazu gehören gut kalkulierte Mitnahmeartikel wie Hausschuhe und Marken mit hoher Begehrlichkeit ebenso wie eine Marketing-Strategie, die den Umsatz nicht nur kurzfristig pusht. „Man darf nicht jede Sale-Aktion mitmachen“, sagt Hermann Sjut, „da muss der Einzelhandel sich manchmal an die eigene Nase fassen“. Dass Christopher Sjut die Familientradition als Schuhhändler fortsetzen würde, hatte er sich „als Junge nicht vorstellen können“. Als er sich nach einer Bankausbildung schließlich doch dazu entschloss, war die Freude bei den Eltern groß. Da Hermann Sjut aber zunächst fürchtete, dass „er das nur uns zu Gefallen tun will“, ließ er dem Sohn sechs Jahre Zeit, seine Entscheidung durch Hospitanzen bei befreundeten Schuhhändlern zu überprüfen und durch ein Studium in Nagold und die anschließende Zusammenarbeit mit dem Vater im eigenen Unternehmen in die Aufgabe hineinzuwachsen.
Seit dem Jahreswechsel ist Christopher Sjut nun Inhaber. Was erlebt er seither als größte Herausforderung? „Die Lieferschwierigkeiten, den Fachkräftemangel, all die kleinen und großen Krisen eben.“ Was ist das Schwierigste beim Einkauf? „Die richtigen Modelle in den richtigen Größen für den richtigen Standort zu ordern.“ Worauf kommt es ihm bei Lieferanten an? „Auf ein stimmiges Preis-Leistungs-Verhältnis und eine von Fairness und Korrektheit geprägte Partnerschaft“, sagt Christopher Sjut. Dazu gehören auch „faire und nachvollziehbare Preise, pünktliche Auslieferung und Nachlieferfähigkeit“, so Hermann Sjut, der dem Sohn beratend zur Seite steht. Dass ein Lieferant nicht in Off-Price-Formaten vertreten ist und man schwer verkäufliche Ware auch mal tauschen kann, wird ebenfalls geschätzt. Solchen Lieferanten „halten wir als hanseatische Kaufleute die Treue, auch in schwächeren Phasen“, so Christopher Sjut. Wenn er erzählt, dass das Schuhhaus Sjut seit 75 Jahren Gabor führt und eine der ältesten Kundennummern in Schleswig-Holstein hat, klingt Stolz durch. Wenn Hermann Sjut dagegen über Fabrikate spricht, die „wir einst groß gemacht haben und die sich nun vom Schuhhandel abwenden“, ist ihm die menschliche Enttäuschung anzuhören.