Olaf Hrastnig von der Koffer-Ecke in Ludwigsburg ist dabei, Ralf Maurer vom gleichnamigen Geschäft in Böblingen ebenso, und auch Dieter Mönckemeyer von Leder Mönckemeyer in Hameln. Drei Händler, eine Gemeinsamkeit. Sie führen nicht länger Rimowa – und blicken optimistisch in die Zukunft. Zu Recht.
„Schade, aber verkraftbar“, kommentiert Olaf Hrastnig seine neue Situation ohne den Koffer mit den Rillen im Sortiment. Optimistisch stimmen ihn nicht zuletzt seine aktuellen Umsätze mit den Marken American Tourister und Travelite. Dieter und Dennis Mönckemeyer zogen bereits bauliche Konsequenzen und stellen fest: „Erste Kunden sind begeistert, die Warengruppe läuft trotz vorherigem Räumungsverkauf super weiter.“ Ralf Maurer macht seine Zuversicht vor allem an seinen neuen strategischen Möglichkeiten fest. „Ich sehe eine Riesenchance, dass wir uns breiter aufstellen und bin mir sicher, dass wir den Nerv unserer Kunden treffen.“
Hat Rimowa mit seinen Vertragskündigungen die Lederwarenbranche aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt? Der Eindruck drängt sich jedenfalls auf, wenn Dr. Joachim Stoll, Geschäftsführer von koffer24.de, feststellt: „Wir reden viel mehr über betriebswirtschaftliche Themen und nicht nur über Bauchgefühl.“ Das ist auch bitter nötig. Nicht nur wegen Rimowa, sondern angesichts einer grundsätzlich herausfordernden Gemengelage im Handel. Diese ist geprägt von sinkenden Frequenzen, starken Wettbewerbern im Online-Bereich, aber auch aus dem Schuh- und Textilhandel, sowie einem aktuell geringeren Stellenwert der Mode. In dieser Situation können die Lederwarenhändler ihre Geschäfte nicht einfach weiter laufen lassen wie in der Vergangenheit.
Stattdessen sind tiefgreifende strategische und im Anschluss betriebswirtschaftliche Analysen gefragt: Wofür stehe ich momentan? Wer sind meine Kunden? Welche Kunden will ich künftig ansprechen? In welcher Form? Welche Rolle spielen Premium-Marken dabei? Und wie bedingen sich Marken gegenseitig – im Reisegepäck-Sortiment, aber auch in Verbindung zur Taschenmode?
Die Lederwarenhändler müssen auf all diese Fragen Antworten finden. Und zwar unabhängig davon, ob sie Rimowa künftig führen oder nicht. Auf der ILM scheinen die ersten Schritte in diese Richtung gemacht worden zu sein. Zum Glück!