Jedes Schuhgeschäft hat seine eigene Geschichte, jeder Laden seine eigene Strategie. Die Sortimente unterscheiden sich abhängig von Klientel und Standort. Zudem prägt jede Inhaberin, jeder Inhaber ihr oder sein Unternehmen auf seine oder ihre ganz persönliche Weise. Und doch scheint es gewisse Gesetzmäßigkeiten zu geben, wenn Schuhhändler die Entscheidung treffen, ihr Sortiment um textile Mode zu erweitern. Der Auslöser für die Sortimentserweiterung etwa ist in den meisten Fällen die Erfahrung, dass man mit Schuhen allein schnell an seine Grenzen stößt. Auch Susanne Nowak ging es so. „Irgendwann kam der Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, dass ich nur mit Schuhen nicht weiterkomme“, erinnert sich die Inhaberin des hochwertigen Schuh- und Modegeschäfts Classica in Würzburg. Ist die Entscheidung, künftig auch Mode zu führen, erst gefallen, stellt sich die Frage, mit welchen Warengruppen man den Grundstein für die Sortimentserweiterung legt. Sehr häufig – und das ist der zweite gemeinsame Nenner – fällt die Wahl auf Strick, was zweifellos eine kluge Wahl ist. Denn Strick ist von allen Warengruppen die in Ein- und Verkauf mutmaßlich dankbarste Kategorie: Ein Pullover ist in Bezug auf die Passform unkompliziert und im Vergleich zum Schuh oft in Handumdrehen verkauft. Man nimmt ihn schnell mal mit, auch wenn man eigentlich gar keine Kaufabsicht hatte. Zudem braucht ein Pulli nicht viel Platz im Lager (oder im Schrank der Kundin). So war es auch für Susanne Nowak naheliegend, mit Masche zu starten, allerdings in der Luxus-Ausführung. „Ich habe mit Johnstons of Elgin angefangen“, erläutert die gelernte Arzthelferin, die durch ihre Mitarbeit im Geschäft einer Freundin den Weg in den Einzelhandel fand. Das schottische Kaschmir-Label ist in den ersten Häusern zu finden und entsprechend hochpreisig, bis heute gehört es zu ihren wichtigsten Lieferanten.
War für Susanne Nowak eigentlich immer klar, dass sie im gehobenen Genre ihr Glück finden würde? „Nicht von Anfang an“, erklärt sie. Zunächst, da war sie noch reine Schuhhändlerin, hat sie mal am kommerziellen, mal am gehobenen Genre genippt, „bis mir geraten wurde, mich zwischen teuer und billig zu entscheiden“. Da sie „mit den sehr günstigen Schuhläden nie würde mithalten können“, hat sie sich für die hochwertige Schiene entschieden. Und zwar so konsequent, dass sie „nach knapp fünf Jahren Prada dazu genommen“ hat. Schnell wird die Marke das Zugpferd für ihre Kundinnen, die „Handvoll Damen in Würzburg, die nicht aufs Geld schauen müssen“. Nun hat alles seine Zeit. Die Zeit von Prada war vorbei, als das Unternehmen vor Jahren entschied, seine Produkte vorrangig in eigenen Flagship Stores zu vertreiben. Für Susanne Nowak war das eine Zäsur. Sie musste sich umorientieren. Heute „bin ich nicht mehr so fixiert auf große Namen“, sagt sie. Wichtiger sind ihr Qualität, Wertigkeit oder die Tatsache, dass der Lieferant „ein Familienbetrieb ist“. Überhaupt das Menschliche, „darauf lege ich großen Wert“, sie muss „die Menschen mögen“, mit denen sie zu tun hat, das gilt auch für die Zusammenarbeit mit ihren Agenturen. „Viele Agenturen verkaufen gern – aber wenn es mal ein Problem gibt, wird man allein gelassen“, so Nowak. Um so mehr schätzt sie das Miteinander „mit den zwei, drei Agenturen, mit denen ich seit Langem arbeite und bei denen ich mich auch menschlich gut aufgehoben fühle“. Sie weiß, „dort sucht man Schönes und Neuheiten für mich“. Dieser Input ist ihr sehr wichtig, zumal „es keine richtige Messe mehr gibt und es schwieriger geworden ist, ein neues Produkt zu finden“. Zwar besucht sie die Supreme in München und arbeitet sich auch in Mailand durch die Showrooms, dennoch fehlt ihr die Inspiration eines großen Branchentreffs.